Full text: Die Kaufkraft des Geldes

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VIII. Kapitel. 
Scheinbar bleibt noch eine Möglichkeit, um der Schlußfolgerung zu ent 
rinnen, daß die alleinige Wirkung einer Zunahme in der Quantität des in 
Umlauf befindlichen Geldes in einer Erhöhung der Preise besteht. Man 
kann behaupten —und diese Behauptung ist tatsächlich gemacht worden —, 
daß eine solche Zunahme einen erhöhten Handelsumfang veranlaßt. Wir 
versuchen daher nunmehr zu beweisen, daß (mit Ausnahme von Übergangs- 
perioden) das Handelsvolumen ebenso wie die Umlaufsgeschwindigkeit 
des Geldes von der Quantität des Geldes unabhängig ist. Eine außerordent 
liche Erhöhung der Umlaufsmittel kann weder die Erzeugnisse von Ackerbau 
und Industrie, noch die Fahrgeschwindigkeit von Lastzügen oder Schiffen 
erhöhen. Der Strom der Geschäfte hängt von natürlichen Hilfsquellen und 
technischen Vorbedingungen, nicht aber von der Quantität des Geldes ab. 
Der ganze Mechanismus von Produktion, Transport und Verkauf ist Gegen 
stand physischer und technischer Leistungsfähigkeit, die beide von der 
Quantität des Geldes nicht abhängig sind. Die einzige Art und Weise, 
in welcher die Quantität des Geldes auf den Umfang des Handels einzuwirken 
scheint, besteht in der Beeinflussung solcher Hilfsgewerbe, die unmittelbar 
mit der Herstellung des Geldes und Erzeugung der Geldmetalle zu tun 
haben. Eine Zunahme an Goldgeld führt, wie gesagt, eine Zunahme im 
Handel in Goldgegenständen herbei. Ebenso bringt diese Zunahme eine Ver 
mehrung der Verkäufe von Maschinen zum Goldbergbau, der Zahl der im 
Goldbergbau beschäftigten Arbeiter, der Münzapparate und der Arbeit 
hervor. Diese Umwälzungen können Veränderungen in verwandten 
Gewerben nach sich ziehen. Wenn z. B. mehr Goldwaren verkauft werden, 
so mögen weniger Silberwaren und Diamanten abgesetzt werden. In 
gleicher Weise kann die Ausgabe von Papiergeld auf das Papiergewerbe und 
die Druckereien, sowie auf die Anstellung von Bank- und Regierungs- 
beamten usw. einwirken. Tatsächlich könnte man zahllose derartiger un 
bedeutender Änderungen in den Q, die auf die erwähnten Wandlungen 
und noch viele andere zurückzuführen sind, nennen. Vom praktischen oder 
statistischen Gesichtspunkt aus bedeuten sie nichts, denn sie können nicht 
den zehnten Teil eines Prozentes zum Gesamtumfange des Handels hinzu 
fügen oder von demselben wegnehmen. Nur einige wenige Q würden merk 
lich beeinflußt und diese wenigen in ganz unbedeutender Weise. Dies wird 
wohl niemand in Abrede stellen, doch könnten einige Gegner geltend machen, 
daß, obwohl Produktionstechnik und Handel die meisten dieser Verhältnisse 
bestimmen, sie dessenungeachtet die Q — die tatsächlichen Quantitäten 
von gegen Geld und Depositenumlaujsmittel ausgetauschten Gütern — be 
greiflicherweise variieren können, jenachdem zum Tauschhandel Zuflucht
	        
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