Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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VIII.  Kapitel.

relative  Bedeutung  oder  das  Gewicht  dieser  Sätze  im  allgemeinen  Durchschnitte, ­
  führt  also  einen  Wechsel  in  diesem  Durchschnitte  herbei,  ohne  notwendigerweise ­
  die  individuellen  Umschlagssätze  zu  verändern.  Ein  erhöhter
Handel  in  den  Südstaaten  zum  Beispiel,  in  denen  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  mutmaßlich  eine  niedrige  ist,  würde  die  Tendenz  haben,
die  Durchschnittsgeschwindigkeit  in  den  Vereinigten  Staaten  zu  vermindern, ­
  indem  in  ihnen  einfach  die  Geschwindigkeit  in  den  langsameren
Teilen  des  Landes  größere  Bedeutung  erhielte.
Drittens  kann  eine  Veränderung  im  individuellen  Geldaufwande,  wenn
er  durch  eine  wirkliche  Änderung  in  der  Quantität  der  gekauften  Güter
veranlaßt  worden  ist,  eine  Veränderung  in  den  Geschwindigkeiten  im  Einzelfalle ­
  verursachen.  Tatsächlich  scheint  der  Umsatz  eines  Menschen  desto
rascher  zu  sein,  je  größer  sein  Aufwand  bei  einem  gegebenen  Preissatze  ist;
d.  h.  die  Reichen  haben  einen  höheren  Umschlagssatz  als  die  Armen.  Sie
geben  das  Geld  schneller  aus,  und  zwar  nicht  nur  absolut,  sondern  auch  im
Verhältnis  zu  dem  Gelde,  das  sie  zur  Verfügung  halten.  Die  an  der  Yale
Universität  gesammelten  Statistiken  einer  Anzahl  von  Fällen  individueller
Umsätze  beweisen  dies  klar  und  deutlich 1 ).  Mit  anderen  Worten:  Ein
Mann,  der  viel  ausgibt,  braucht,  wenn  er  auch  im  ganzen  mehr  Geld  zur
Verfügung  haben  muß,  im  Verhältnis  zu  seinen  Ausgaben  nicht  soviel  Geld
bei  sich  zu  führen  wie  derjenige,  der  wenig  ausgibt.  Man  darf  das  auch
insofern  erwarten,  als  ja  im  allgemeinen  ein  Betrieb,  je  größer  er  ist,  desto
ökonomischer  geleitet  werden  kann.  Professor  Edgeworth 2 )  hat  nachgewiesen, ­
  daß  dieselbe  Regel  für  das  Bankwesen  gilt.  Wenn  sich  zwei  Banken
vereinigen,  so  benötigen  sie  eine  geringere  Reserve  als  die  Summe  der  beiden
früheren  Reserven.
Wir  können  also  hieraus  schließen,  daß,  wenn  der  Reichtum  einer
Nation,  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  berechnet,  zunimmt,  die  Umlaufsgeschwindigkeit ­
  des  Geldes  sich  erhöht.  Diese  Behauptung  bezieht  sich
natürlich  nicht  auf  die  nominelle  Zunahme  der  Ausgaben.  Denn,  wie  wir
gesehen  haben,  würde  eine  Verdoppelung  aller  Preise  und  Einkommen  die
Geldumschlagssätze  des  einzelnen  nicht  berühren.  Jede  Person  würde  genau
den  doppelten  Aufwand  für  dasselbe  tatsächliche  Ergebnis  zu  machen  und
genau  das  zweifache  Geld  zur  Verfügung  zu  halten  haben,  um  den  nämlichen
unvorhergesehenen  Ausgaben  in  derselben  Weise  entsprechen  zu  können.
Was  die  Geschwindigkeit  bestimmt,  ist  der  tatsächliche  Verbrauch  und  nicht
1 )  Siehe  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  (VIII).
2 )  „Mathematical  Theory  of  Banking“,  Journal  of  the  Royal  Statistical  Society,  März
1888.
            
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