Full text: Die Kaufkraft des Geldes

Einwirkung der Geldquantität und anderer Faktoren auf die Kaufkraft usw. 141 
ist das Preisniveau nicht einmal eine sekundäre Ursache, sondern lediglich 
eine Wirkung des Geldes der Welt, ihrer Depositen, Geschwindigkeiten 
und des Welthandels. 
Wir haben gesehen, daß hohe Preise an einem Platze daselbst keine 
Zunahme der Geldzufuhr verursachen, denn das Geld fließt von einem 
solchen Platze fort. Gleichfalls verursachen hohe Preise zu irgendeiner 
Zeit keine Zunahme an Geld zu dieser Zeit, denn das Geld fließt sozusagen 
von diesem Zeitabschnitte hinweg. Wenn also das Preisniveau im Januar 
im Vergleiche mit demjenigen der anderen Monate hoch ist, so wird keine 
Neigung zu einer Ausgabe großer Quantitäten von Banknoten in diesem Zeit 
punkte vorhanden sein. Im Gegenteil, man wird trachten, bei den hohen 
Preisen Geldzahlungen zu vermeiden und warten, bis die Preise niedriger 
sind. Wenn diese Zeit kommt, werden mehr Umlaufsmittel gebraucht; 
der Banknoten- und Depositenbestand dehnt sich dann aus, um der 
außergewöhnlichen Nachfrage, die sich hierbei ergeben kann, zu entsprechen. 
Die Umlaufsmittel vermehren sich also bei niedrigen Preisen und nehmen 
ab bei hohen Preisen und diese Expansion und Kontraktion führt zum Sinken 
hoher Preise und zum Steigen niedriger Preise, wirkt also preisausgleichend. 
Weit entfernt davon, daß hohe Preise ein erhöhtes Geldangebot verursachen, 
können wir aus vorstehendem ersehen, daß das Geld den Standort und die 
Zeit hoher Preise vermeidet, hingegen Standort und Zeit niedriger Preise auf- 
sucht, und daß dadurch die Ungleichheit der Preisniveaus abgeschwächt wird. 
Das Gesagte setzt voraus, daß die Käufer Platz und Zeit ihrer Ein 
käufe nach Belieben wechseln können. In dem Maße, in dem ihre Freiheit, 
den Marktplatz und die Marktzeit selbst zu wählen, beeinträchtigt wird, 
wird die Korrektur durch die Anpassung der Quantität des Geldes geschmälert. 
Die anormale Zeit einer Panik kann sogar dadurch charakterisiert werden, 
daß Kontrakte, die vor langer Zeit abgeschlossen worden sind und hin 
sichtlich deren eine Zahlungsaufschiebung nicht statthaft ist, erfüllt werden 
müssen. Es kann dann eine „Geldhungersnot“ und eine fieberhafte Nach 
frage nach Krisengeldzeichen eintreten, um mit ihnen die ausstehenden Ver 
bindlichkeiten liquidieren zu können, die man, hätte man die Situation vor 
aussehen können, auf keinen Fall eingegangen wäre. Daß derartige abnorme 
Zustände die allgemeine These, daß die Preise die Wirkung und nicht die Ur 
sache der Umlaufsmittel (Depositenumlaufsmittel inbegriffen) sind, nicht 
widerlegen, ist durch Minnie Throop England statistisch bewiesen worden 1 ). i) 
i) „Statistical inquiry into the influence of credit upon the level of prices“, Dniversity 
Studies (University of Nebraska), Januar 1907, S. 41 83.
	        
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