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IX. Kapitel.
angibt, bietet einen großen statistischen Vorteil. Sie vereinfacht auch
unsere Verkehrsgleichung, indem sie die rechte Seite, die ursprünglich aus
Tausenden von einzelnen Posten besteht, einfach in einem einzigen Posten
zusammenfaßt.
Eine solche zusammenfassende Ziffer wird „Indexnummer“ oder „Index
ziffer“ des Preisniveaus genannt. Ihr Gegenwert bedeutet natürlich die
Kaufkraft des Geldes.
Das vorliegende Kapitel soll demnach von der Dispersion (der Zer
streuung) der Preise handeln; das nächste Kapitel behandelt Indexnummern,
deren Benützung diese Dispersion praktisch notwendig macht und in den
beiden folgenden Kapiteln werden wir uns mit dem praktischen statistischen
Gebrauch von Indexziffern beschäftigen.
Der Hauptschluß unserer vorhergehenden Untersuchung war, daß
unter sonst gleichen Umständen die Zunahme im Gelde ein proportionales
Steigen des Preisniveaus verursacht. Mit anderen Worten: Die p in der
Summe 2p Q haben die Tendenz, im Verhältnis zur Zunahme des Geldes
zu steigen. Wir wissen nun aber, daß die Anpassung nicht notwendiger
weise gleichmäßig sein muß, daß vielmehr, wenn einige p nicht soviel wie es
diesem Verhältnis entspräche, steigen, andere dafür mehr steigen müssen.
In dieser Verbindung bemerken wir, daß sich einige Preise nicht sofort und
andere überhaupt nicht anpassen. Das letztere gilt zum Beispiel von kon
traktlich festgesetzten Preisen. Vom Tage der Kontraktschließung ab
bis zu dem Tage seiner Erfüllung kann keinerlei Veränderung, die während
dieser Zeit in Kraft tritt, auf einen derartig festgesetzten Preis einwirken.
Selbst wenn es sich nicht um ausdrückliche Kontrakte handelt, können die
Preise durch stillschweigendes Einverständnis und durch die bloße Macht
der Gewohnheit der Anpassung entzogen bleiben. Außer diesen Beschrän
kungen der freien Preisbewegung gibt es oft gesetzliche Beschränkungen.
So zum Beispiel kann den Eisenbahngesellschaften untersagt werden, von
einem Fahrgast über zwei Cent für die Meile zu verlangen, oder es
kann das Fahrgeld auf Straßenbahn auf fünf oder drei Cent festgelegt
werden.
Was immer auch die Ursachen der Nichtanpassung sein mögen, das
Resultat ist, daß die Preise, die sich verändern, sich in einem größeren Ver
hältnis verändern müssen, als dies der Fall sein würde, wenn es keine Preise
gäbe, die sich nicht verändern. Ebenso wie eine über den halben Lauf eines
Stromes gelegte Sperrung eine Zunahme des Gefälles der anderen Hälfte
des Stromes verursacht, so muß jeder Ausfall in der Bewegung der einen
Preise ein Mehr in der Bewegung anderer Preise verursachen.