Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

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Einundzwanzigstes Buch. Zweites LKapitel. 
Und ward dem Kaiser sonst im Reiche gern gewährte und 
einstimmige Hilfe? 
Es ist schließlich, am 20. September 1702, zur Erklärung 
eines Reichskrieges gegen Frankreich gekommen. Und das 
hieß, daß vor allem die süddeutschen Stände mit Ausnahme 
von Bayern den Ernst der Lage begriffen und bereit waren, 
noch einmal zur Verteidigung auch ihrer Selbständigkeit mit 
dem Kaiser — und der Großen Allianz — gegen Frankreich 
zusammenzustehen. Dementsprechend hatte sich denn auch schon 
vor dem Reichsschlusse eine ganze Anzahl von Ständen und 
Kreisen dem Kaiser angeschlossen: so von den geistlichen Kur— 
fürsten der Mainzer und Trierer, ferner der Pfälzer Kurfürst, 
die hessischen Landgrafen, endlich alle fünf vorderen Reichs— 
kreise, die wesentlich zu diesem Zwecke eine eigene „Assoziation“ 
gebildet und dem Markgrafen von Baden die Zusammenstellung 
einer Armee aus ihren zahlreichen größeren und kleinen Kon— 
tingenten anvertraut hatten. 
War damit Süddeutschland als das zumeist bedrohte 
deutsche Land gewonnen, so standen auch im Nordwesten die 
Dinge insofern nicht ungünstig, als man Hannovers sicher zu 
sein glaubte, solange England der Großen Allianz angehörte. 
Dem lag der folgende Zusammenhang zugrunde. Wilhelm III., 
der Oranier, der am 19. März 1702 starb, hinterließ keinen 
Leibeserben an der englischen Krone; diese fiel an Anna, eine 
Tochter Jakobs II. Aber auch die protestantische Nachkommen⸗ 
schaft des Hauses Stuart ging ihrem Aussterben entgegen. Den 
Möglichkeiten von Verwirrung, die mit dem Eintreten dieses 
Ereignisses drohten, hatte nun Wilhelm III. schon seit den Tagen 
seiner Thronbesteigung vorzubeugen gesucht; und als er starb, 
hinterließ er in dieser Hinficht geordnete Verhältnisse. Maß— 
gebend für deren Regelung war dabei eine Rückwärtsverfolgung 
der Anrechte auf den englischen Thron bis auf König Jakob J. 
gewesen. Und da hatte sich als erstberechtigt dessen Tochter 
Elisabeth herausgestellt, die mit dem unglücklichen Winterkönige 
Friedrich V. von der Pfalz vermählt gewesen war. Von den 
Kindern aus dieser Ehe lebte nun jetzt nur noch eine, die im
	        
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