Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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X.  Kapitel.

einen  anderen  Maßstab  der  Kaufkraft  des  Geldes  lenken,  der  zuweilen  zur
Angleichung  von  Kontrakten  vorgeschlagen  worden  ist.  Es  ist  dies  der  Maßstab ­
  des  Nutzens.  Demgemäß  würde  jede  Person  einen  Grenznutzen  gleichen
"Wertes  wie  das,  was  sie  geliehen  oder  geborgt  hat,  empfangen  oder  zurückzahlen. ­
  Der  Grenznutzen  der  nämlichen  Güter  ist  aber  für  die  einzelnen
Personen  ein  anderer;  er  ist  ferner  für  ein  und  dieselbe  Person  in  verschiedenen ­
  Lebensabschnitten  verschieden.  Ein  solcher  Maßstab  kann
daher  praktisch  nicht  angewendet  werden.
Ein  Preis  ist  ein  objektives,  der  Bemessung  zugängliches  Moment,  das
für  alle  Menschen  ein  und  dasselbe  ist.  Die  Grenznutzen  hingegen  haben
für  verschiedene  Personen  ungleichen  Wert  und  variieren  individuell  verschieden; ­
  sie  zu  bemessen  ist  unmöglich.  Die  Kaufkraft  des  Geldes  in
objektivem  Sinne  ist  daher  eine  ermittelbare  Größe  mit  einer  für  alle
Menschen  gemeinsamen  Bedeutung.  Allerdings  ist  es  richtig,  daß  der  Grenznutzen ­
  des  Geldes  eine  fundamentale  Größe  ist,  und  daß  er  in  gewissem
Grade  von  der  Kaufkraft  des  Geldes  abhängt.  Aber  er  hängt  auch  von
dem  Einkommen  eines  jeden  Menschen  ab.  Die  Grenznutzen  des  Geldes
variieren  direkt  mit  der  Kaufkraft  des  Geldes,  wenn  sich  alle  Preise  und
alle  Geldeinkommen  in  demselben  Verhältnis  verändern  oder  wenn  sich  (wenigstens ­
  ungefähr)  die  Einkommen  im  Verhältnis  der  Durchschnittspreisveränderung ­
  verändern.  Theoretisch  sollte  sich  dieses  feste  Verhältnis
zwischen  Grenznutzen  und  Kaufkraft  bestätigen  müssen,  wenn  (angenommen,
daß  die  Depositen  in  gleicher  Weise  variieren  und  daß  die  Umlaufsgeschwindigkeiten ­
  und  das  Handelsvolumen  unverändert  bleiben)  die  Quantität  des
Geldes  variiert,  nachdem  die  Übergangsperioden  vorüber  sind.  Tatsächlich
variieren  aber  alle  diese  Elemente,  und  zwar  in  ungleicher  Weise.  Die  Geldeinkommen ­
  wachsen  manchmal  rascher  und  oft  langsamer  als  die  Preise.
Das  Resultat  ist,  daß  die  Veränderungen  in  der  Kaufkraft  des  Geldes  den
Veränderungen  in  den  Grenznutzen  des  Geldes  nicht  entsprechen.
Während  der  Zeit,  in  der  ein  Kontrakt  läuft,  kann  die  menschliche  Gesellschaft ­
  mehr  oder  weniger  wohlhabend  werden.  Man  sollte  denken,  daß
diese  Tatsache  das  Verhältnis  des  zurückgezahlten  Betrages  zu  dem  geliehenen ­
  Betrage  beeinflußt.  Es  ist  die  Forderung  gestellt  worden,  daß  die
Wohltaten  des  Fortschrittes  zwischen  dem  Entleiher  und  dem  Darleiher
gleichmäßig  verteilt  werden  sollten x ).
1 )  Siehe  z.  B.  die  Schrift  von  J.  B.  Clark  „The  Gold  Standard  in  Recent  Theory
Political  Science  Qmrterly,  September  1895.  Vgl.  hiermit  „The  Standard  of  Deferred  Payments“ ­
  von  Edward  A.  Roß,  Ännals  of  the  American  Academy  of  Political  and  Social
Science,  November  1892;  Lucius  S.  Merriam  „The  Theory  of  Final  Utility  in  its  Relation
            
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