Full text: Die Kaufkraft des Geldes

256 XII. Kapitel. 
Zunahme in den amerikanischen Depositen und ihrer Umlaufsgeschwindigkeit 
am Zunehmen verhindert. 
Außer den Weltpreisbewegungen gibt es aber auch speziell lokale Preis 
bewegungen. Alles was störend auf den Handel einwirkt, wie dies mit dem 
Zolltarif der Fall ist, hat die Tendenz, das Steigen der Preise ungleich zu ge 
stalten. Es bleibt uns daher noch die Frage bezüglich der speziellen Ein 
wirkungen auf das amerikanische Preisniveau z. B. der des Zolltarifs, der 
seine Wirkung durch G geltend macht. 
Wie bereits in einem früheren Kapitel erwähnt, hat ein zum Gesetz er 
hobener Schutzzolltarif die Wirkung, daß durch die zeitweilige Schaffung 
einer „günstigen“ Handelsbilanz das Preisniveau des „geschützten“ Landes er 
höht und auf diese Weise der Import des Geldmetalles angespornt und sein 
Export gelähmt wird. Sobald als das einheimische Preisniveau im Ver 
hältnis zu den ausländischen Preisniveaus genügend erhöht worden ist, um 
das Gleichgewicht des Handels wieder herzustellen und der relativen An 
häufung des Goldes in dem geschützten Lande Einhalt gebieten zu können, 
hört diese Einwirkung auf. Mit Ausnahme des Umstandes, daß der Tarif 
störend auf den Handel einwirkt und dadurch das einheimische Preisniveau 
verhindert, sich den ausländischen Preisniveaus anzupassen, läßt sodann der 
Zolltarif nach, auf das Preisniveau einzuwirken. Dieses störende Einwirken 
kann in jeder Kichtung sich geltend machen, d. h. das einheimische Preis 
niveau wird von den ausländischen Preisniveaus unabhängiger gemacht, 
als es bei einem freien Handel der Fall wäre. Das geschützte Land wird 
durch den Zolltarif lediglich isoliert. 
Während der von uns in Untersuchung gezogenen Periode 1896—1909 
sind im Zolltarifsgesetze zwei Veränderungen vorgenommen worden, wovon 
die eine im Jahre 1897 und die andere im Jahre 1909 stattfand. Die erste 
Änderung stellte eine Erhöhung der im Jahre 1894 aufgestellten Zollsätze 
dar. Das Gesetz vom Jahre 1897 muß also auf eine Einschränkung des 
Imports und auf die Erhöhung der Preise gerichtet gewesen sein. Wenn 
in der hier erörterten Zeitperiode die amerikanischen Preise schneller ge 
stiegen sind, als die Preise anderer Länder, wie z. B. Englands, so scheint 
die Annahme gerechtfertigt, daß ein Anteil an diesem weiteren Steigen dem 
amerikanischen Zolltarifsystem zuzuschreiben ist. 
Wir kommen endlich zum Zolltarif vom Jahre 1909. Dieses Gesetz 
ist noch so neu, daß ein großer Einfluß bis jetzt kaum wahrnehmbar sein 
konnte, selbst wenn man annehmen wollte, daß sich diese Einwirkung schon 
zur Zeit des Entwurfes des Gesetzes, also bereits zu Beginn des Jahres 1909, 
fühlbar machte. Über die Frage, ob die Revision des Tarifs nach aufwärts
	        
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