Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.
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einer Münzgebühr, deren Höhe je nach Erfordernis festgesetzt werden kann,
aufrecht erhalten werden. Je billiger das Barrengold wird, desto höher
müßte diese Gebühr sein. Sie müßte sich in einem solchen Verhältnis er
höhen, daß das Umlaufsmittel mit dem Geschäftsvolumen in gleichem Ver
hältnis bleibt und das Preisniveau auf diese Weise stabil erhalten wird.
Wenn sich die jährliche Produktion des Goldes später verringert und das
Gold infolgedessen wieder im Werte steigt, dann könnte die Stabilität durch
umgekehrte Politik, d. h. durch ein allmähliches Herabsetzen der Münz
gebühr aufrecht erhalten werden, wodurch eine Erhöhung im Werte des
Umlaufsmittels verhindert würde. Der regulierenden Behörde wäre, wie
dies im Walrasschen System der Fall ist, nach dieser Richtung insofern
eine Grenze zu setzen, daß die Münzgebühr niemals auf weniger als auf Null
herabgesetzt werden dürfte. Materiell kann das Geld nie billiger werden
als das Metall, aus dem es besteht, da auch nur die geringste Tendenz in
dieser Richtung zur Folge hätte, daß die Münzen exportiert oder in Barren-
metall eingeschmolzen würden. In einer Periode steigender Preise würde
die Regulierung keinerlei Schwierigkeit bereiten, in einer Zeit fallender
Preise hingegen würde sie ganz unmöglich sein 1 ).
Ein weiterer Plan besteht in einer einlösbaren Papierwährung, bei der
das Papier auf Verlangen einzulösen ist, jedoch nicht gegen ein erforder
liches Gewicht an Gold oder an Goldmünze, sondern gegen dessen erforder
liche Kaufkraft. Unter einem solchen System wäre das Papiergeld mit eben
soviel Gold einzulösen, wie dessen erforderliche Kaufkraft beansprucht. Auf
diese Weise würde der für einen Papierdollar zu beanspruchende Goldbetrag
roit dem Betrage der gekauften Waren per Unze Gold umgekehrt variieren,
und die Gesamtkaufkraft des Dollars bliebe also immer dieselbe. Der Um
stand, daß ein Papierdollar immer in der Höhe seiner Kaufkraft einlösbar
wäre, würde das Preisniveau theoretisch unveränderlich gestalten. Der
Zufluß des in Zirkulation befindlichen Geldes würde automatisch reguliert
werden. Sollte das Geld die Tendenz zeigen, sich so schnell zu vermehren,
haß seine Kaufkraft beeinträchtigt würde, so würden die Noten zur Ein
lösung in Gold präsentiert werden, denn unter dem angenommenen Über-
*) Über die Wirkung eines gesetzlichen Verbotes des Exportes von Münzen vgl,
Kemmerer, Money and Credit Instruments in their Relation to General Prices, 2. Aull., New
York (Holt), 1909, S. 39 Anm. Vgl. Kemmerer, „The Establishment of (he Gold Exchange
Standard in the Philippines“, in the Quarterly Journal of Economics, Bd. XIX, 600 605
(August 1905); Second Annual Report of the Chief of the Division of Currency, etc., 14
lö, 21—28; „A Gold Standard for the Straits“, II, in Political Science Quarterly, Bd. XXI
S. 665—677 (Dezember 1906).