Das Problem, die Kaufkraft stabiler zu gestalten.
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einen viel höheren Wert in Güterpreissätzen zu zahlen, als wenn die Preise
auf einer höheren Stufe ständen. Hieraus resultieren oft Zahlungseinstel
lungen, eine Verminderung der Kreditumlaufsmittel und ernste Depression.
Bei Bezahlung in Kaufkraft wäre die Sachlage eine ganz andere. Das Fallen
der Preise würde weder den Entleiher schädigen noch dem Darleiher Gewinn
bringen.
Es hat den Anschein, als ob die „Tabellarwährung“ („tabular Standard“)
im großen ganzen wirklich vorzüglich sei 1 ). Sicherlich könnte der Versuch
mit einem zunächst „dispositiven“ Gesetze materiell keinen Schaden bringen.
Doch ist die Tabellarwährung ganz ernstlichen, wenn nicht gar völlig ver
hängnisvollen Einwendungen unterworfen. Vor allen Dingen würde die
mit dem System verbundene Notwendigkeit, das Geld in die Tabellarwährung
umzusetzen, das Publikum nicht in genügender Weise anziehen, um zur
vollständigen Annahme seitens der Kegierung zu führen. Ferner könnten
während der Übergangszeit von dem alten zum neuen System eine Beihe
der Übel, die durch das letztere beseitigt werden sollen, eine Verschlimmerung
erfahren, was von dessen weiterer Ausbreitung eher abschrecken, als sie
fördern würde. Selbst wenn ein Land das System in ganzem Umfange an
nähme, so würde es sich kommerziell isolieren, was die Unannehmlichkeit
einer unsicheren internationalen Austauschrate zur Folge hätte. Ein ähn
licher Nachteil träte zutage, wenn das System in einem Lande nur teilweise
angenommen würde. Der Geschäftsmann zieht natürlich stets ein gleich
förmiges Rechnungssystem zwei sich einander befehdenden Systemen vor.
Er würde sich über ein derartiges doppeltes Rechnungssystem genau so be
schweren, wie er sich stets über das im internationalen Handel zwischen
den Gold- und Silberwährungsländern bestehende doppelte Rechnungssystem
beschwert hat. Der Gewinn eines Geschäftsmannes stellt einen schmalen
Spielraum zwischen Einnahmen und Ausgaben dar. Wenn sowohl Ein
nahmen wie Ausgaben in der Tabellarwährung berechnet werden könnten,
so wiese sein Gewinn eine größere Stabilität auf, als wenn Einnahmen und
Ausgaben in Geld berechnet werden. Wenn aber einige seiner Ausgaben
wie Zinsen und Löhne auf einer Tabellarbasis zu zahlen wären, während
seine Einnahmen auf eine Goldbasis gegründet sind, so würde sein Gewinn
v iel größeren Schwankungen unterworfen sein, als wenn beide Seiten oder
alle Posten der Abrechnung auf Gold lauteten. Tatsächlich würde eine
ieichte Abweichung in den beiden Währungen seinen erwarteten Gewinn
l ) Siehe J. Allen Smith, „The Multiple Money Standard", Annals of the American
Academy of Political and Social Science, März 1896.
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