Full text: Die Kaufkraft des Geldes

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XIII. Kapitel. 
der Welt willkürlich und gleichzeitig die Torheit einer inflationistischen 
Gesetzgebung begehen könnten. 
Bevor aber irgendwie eine Kontrolle des Preisniveaus unternommen 
werden kann, muß das Publikum die Notwendigkeit einer solchen zu würdigen 
lernen. Solange man sich aber sogar in den Reihen der Geschäftsleute 
selbst nicht einmal voll und ganz bewußt ist, daß man tagtäglich mit Ver 
änderungen im Werte des Geldes spielt und sich über diese Tatsache in 
glückseliger Unwissenheit befindet, solange wird man kein Verlangen zeigen, 
diese Veränderungen zu verhindern. Und doch bildet die Geschäftswelt die 
Partei, um deren Interessen es sich in erster Linie handelt, und der erste 
wichtige Schritt in dem Reformverfahren muß darin bestehen, den Ge 
schäftsleuten die Wohltaten einer stabilen Kaufkraft begreiflich zu machen 1 ). 
Solange dies nicht geschehen ist, sind irgendwelche politischen Vorschläge 
als verfrüht zu betrachten. 
§6- 
Zu Beginn dieses Kapitels haben wir die Grundsätze, die die Kaufkraft 
des Geldes bestimmen und die mit ihnen verbundenen praktischen Probleme 
einer Durchsicht unterzogen. Hierauf wurden die möglichen Methoden 
erörtert, durch die die Übel der Veränderlichkeit in der Kaufkraft vermieden 
werden könnten. Unter diesen Methoden wurde eine erhöhte spezifische 
Kenntnis der Bedingungen wie auch eine allgemeine Kenntnis der Prinzipien 
als eine der wichtigsten und ausführbarsten Bedingungen erachtet. Sodann 
wurden die Behauptungen, daß der Bimetallismus und der Polymetallismus 
J ) In einer kürzlich herausgegebenen populären Flugschrift von A. C. Lake, be 
titelt Currency Reform the Paramount Issue, Memphis (28 N. Front St.), Tenn., wird der 
Vorschlag gemacht, die freie Ausprägung von Gold einzustellen. Während ich dies schreibe, 
erhalte ich über die nun auch in außerakademischen Kreisen Platz greifende Idee, daß 
das Gold eine unbeständige Währung sei, weiteres Beweismaterial. Das rasche Steigen 
in den Lebenskosten hat die Aufmerksamkeit der Zeitschriften und Tagespresse natürlich 
auf diesen Gegenstand gelenkt. Thomas Alva Edison prophezeit in einer kürzlich statt 
gehabten Unterredung einen weiteren Sturz im Wert des Goldes durch die Entdeckung 
billiger Methoden, aus gewissen Tonlagem im Süden ungeheure Goldmengen herauszu 
ziehen, — eine Entdeckung, die mit Gewißheit früher oder später gemacht werden wird. 
Er macht die treffende Bemerkung: „Ist es nicht absurd, eine Substanz als Wertregulator 
zu haben, deren eigentlicher Zweck ist, Bilderrahmen zu vergolden und Zähne zu plom 
bieren?“ Mr. Carnegie stipuliert in seiner letzten Schenkung von zehn Millionen Dollar 
für die Carnegie Institution in Washington, daß ein gewisser Teil des Einkommens als 
Tilgungsfond gegen die „abnehmende Kaufkraft des Geldes“ in Reserve gestellt wird. 
ies ist bedeutungsvoll als einer der ersten Fälle, daß ein Geschäftsmann in praktischer 
Weise die Unbeständigkeit des Goldes erkannt hat.
	        
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