Full text : Die Kaufkraft des Geldes

284

XIII.  Kapitel.

der  Welt  willkürlich  und  gleichzeitig  die  Torheit  einer  inflationistischen
Gesetzgebung  begehen  könnten.
Bevor  aber  irgendwie  eine  Kontrolle  des  Preisniveaus  unternommen
werden  kann,  muß  das  Publikum  die  Notwendigkeit  einer  solchen  zu  würdigen
lernen.  Solange  man  sich  aber  sogar  in  den  Reihen  der  Geschäftsleute
selbst  nicht  einmal  voll  und  ganz  bewußt  ist,  daß  man  tagtäglich  mit  Veränderungen ­
  im  Werte  des  Geldes  spielt  und  sich  über  diese  Tatsache  in
glückseliger  Unwissenheit  befindet,  solange  wird  man  kein  Verlangen  zeigen,
diese  Veränderungen  zu  verhindern.  Und  doch  bildet  die  Geschäftswelt  die
Partei,  um  deren  Interessen  es  sich  in  erster  Linie  handelt,  und  der  erste
wichtige  Schritt  in  dem  Reformverfahren  muß  darin  bestehen,  den  Geschäftsleuten ­
  die  Wohltaten  einer  stabilen  Kaufkraft  begreiflich  zu  machen 1 ).
Solange  dies  nicht  geschehen  ist,  sind  irgendwelche  politischen  Vorschläge
als  verfrüht  zu  betrachten.

§6-Zu
  Beginn  dieses  Kapitels  haben  wir  die  Grundsätze,  die  die  Kaufkraft
des  Geldes  bestimmen  und  die  mit  ihnen  verbundenen  praktischen  Probleme
einer  Durchsicht  unterzogen.  Hierauf  wurden  die  möglichen  Methoden
erörtert,  durch  die  die  Übel  der  Veränderlichkeit  in  der  Kaufkraft  vermieden
werden  könnten.  Unter  diesen  Methoden  wurde  eine  erhöhte  spezifische
Kenntnis  der  Bedingungen  wie  auch  eine  allgemeine  Kenntnis  der  Prinzipien
als  eine  der  wichtigsten  und  ausführbarsten  Bedingungen  erachtet.  Sodann
wurden  die  Behauptungen,  daß  der  Bimetallismus  und  der  Polymetallismus
J )  In  einer  kürzlich  herausgegebenen  populären  Flugschrift  von  A.  C.  Lake,  betitelt ­
  Currency  Reform  the  Paramount  Issue,  Memphis  (28  N.  Front  St.),  Tenn.,  wird  der
Vorschlag  gemacht,  die  freie  Ausprägung  von  Gold  einzustellen.  Während  ich  dies  schreibe,
erhalte  ich  über  die  nun  auch  in  außerakademischen  Kreisen  Platz  greifende  Idee,  daß
das  Gold  eine  unbeständige  Währung  sei,  weiteres  Beweismaterial.  Das  rasche  Steigen
in  den  Lebenskosten  hat  die  Aufmerksamkeit  der  Zeitschriften  und  Tagespresse  natürlich
auf  diesen  Gegenstand  gelenkt.  Thomas  Alva  Edison  prophezeit  in  einer  kürzlich  stattgehabten ­
  Unterredung  einen  weiteren  Sturz  im  Wert  des  Goldes  durch  die  Entdeckung
billiger  Methoden,  aus  gewissen  Tonlagem  im  Süden  ungeheure  Goldmengen  herauszuziehen, ­
  —  eine  Entdeckung,  die  mit  Gewißheit  früher  oder  später  gemacht  werden  wird.
Er  macht  die  treffende  Bemerkung:  „Ist  es  nicht  absurd,  eine  Substanz  als  Wertregulator
zu  haben,  deren  eigentlicher  Zweck  ist,  Bilderrahmen  zu  vergolden  und  Zähne  zu  plombieren?“ ­
  Mr.  Carnegie  stipuliert  in  seiner  letzten  Schenkung  von  zehn  Millionen  Dollar
für  die  Carnegie  Institution  in  Washington,  daß  ein  gewisser  Teil  des  Einkommens  als
Tilgungsfond  gegen  die  „abnehmende  Kaufkraft  des  Geldes“  in  Reserve  gestellt  wird.
ies  ist  bedeutungsvoll  als  einer  der  ersten  Fälle,  daß  ein  Geschäftsmann  in  praktischer
Weise  die  Unbeständigkeit  des  Goldes  erkannt  hat.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.