Einfluß der Depositenumlaufsmittel auf die Gleichung usw.
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durchbrochen wirdQ. Wäre der zirkulierende Kredit vom Gelde unab
hängig, so träfe dies zu. Tatsächlich hat aber die Quantität des zirkulieren
den Kredits, G', die Tendenz, eine bestimmte Beziehung zu G, zu der in
Umlauf befindlichen Geldquantität, aufrechtzuerhalten, d. h. die Depositen
sind unter normalen Umständen ein mehr oder weniger bestimmtes Viel
faches von Geld.
Zwei Tatsachen bringen die Depositen unter normalen Umständen in
ein mehr oder weniger bestimmtes Verhältnis zum Gelde. Die eine davon,
nämlich, daß die Bankreserven in einem mehr oder weniger bestimmten
Verhältnis zu den Bankdepositen gehalten werden, ist bereits erwähnt worden.
Die andere besteht darin, daß Einzelpersonen, Firmen und Gesellschaften
ein mehr oder weniger bestimmtes Verhältnis zwischen ihren Bargeld- und
Schecktransaktionen und auch zwischen ihrer Geld- und Dep'ositenbilanz
bewahren 1 2 ). Diese Verhältnisse werden durch Motive individueller Be
quemlichkeit und Gewohnheit bestimmt. Die Geschäftsfirmen benützen
im allgemeinen Geld für Lohnzahlungen und für verschiedene Geschäfte
geringerer Bedeutung, die in den Begriff „Kleingeld“ eingeschlossen sind,
während zum Ausgleich der Geschäfte von ihnen untereinander gewöhn
lich Schecks vorgezogen werden. Die Vorliebe hierfür ist so groß, daß wir
uns schwerlich einen Bruch mit dieser Praxis vorzustellen vermögen,
es sei denn etwa nur zeitweise und in geringem Umfange. Eine Geschäfts
firma wird schwerlich Straßenbahnfahrgelder mit Schecks bezahlen
und große Zahlungsverpflichtungen mit Bargeld liquidieren. Jedermann
strebt in der Benützung der beiden Zahlungsmethoden nach einem Gleich
gewicht und stört dieses nicht nennenswert, wenigstens nicht auf längere
Zeit. Er paßt seinen Geldbestand oder sein Bankkonto beständig den
von ihm in Geld oder per Scheck zu erledigenden Zahlungen an. Sobald
der Geldbestand verhältnismäßig gering wird und das Bankkonto ein
verhältnismäßig großes Guthaben aufweist, wird ein Scheck gezogen.
Im entgegengesetzten Falle wird bares Geld deponiert. Auf diese Weise
wird eines der beiden Austauschmittel fortwährend in das andere um
1 ) Laughlin ist der beinahe entgegengesetzten Ansicht, daß der normale Kredit die
Preise nicht beeinflussen kann, weil er kein Angebot von vollwertigem Gelde darstellt und
daher auf den Wert des Maßgutes, das das Preisniveau einzig und allein bestimmt, keinen
Einfluß hat. Siehe Principles of Money, New York (Scribner), 1903, S. 97. Beide An
sichten stehen mit der in diesem Buche vertretenen in Widerspruch.
2 ) Diese Tatsache ist von Laughlin anscheinend übersehen worden, wenn er den
Schluß zieht, daß „there is not any reason for limiting the amount of the deposit currency,
or the assumption of an absolute scarcity of specie reserves“. Siehe Princi'ples of Money,
S. 127.