Full text : Die Kaufkraft des Geldes

42

III.  Kapitel.

gesetzt.  Eine  Privatperson  versieht  sich  gewöhnlich  aus  ihrem  Bankkonto
mit  Taschengeld.  Eine  Detailhandelsfirma  stärkt  ihr  Bankkonto  mit  dem
Ertrage  der  Ladenkasse.  In  beiden  Fällen  besorgt  die  Bank  die  Vermittlung
des  Austausches.
In  irgend  einem  Gemeinwesen  wird  das  quantitative  Verhältnis  von
Depositenumlaufsmitteln*)  zum  Gelde  durch  verschiedene  Bequemlichkeitsrücksichten ­
  bestimmt.  Je  höher  vor  allen  Dingen  der  Geschäftsverkehr ­
  in  einem  Gemeinwesen  entwickelt  ist,  desto  vorherrschender  ist
daselbst  der  Gebrauch  von  Schecks.  An  Plätzen  mit  hochentwickeltem  Geschäftsbetrieb ­
  werden  die  von  den  Kaufleuten  untereinander  abgeschlossenen
bedeutenden  Geschäfte  gewöhnlich  mittelst  Scheck  und  die  kleineren  durch
Barzahlung  erledigt.  Je  konzentrierter  die  Bevölkerung  ist,  desto  mehr  gewinnt ­
  der  Gebrauch  von  Schecks  die  Oberhand.  In  Städten  ist  es  für  den
Zahlenden  und  auch  für  den  Empfänger  bequemer,  große  Zahlungen  per
Scheck  vorzunehmen,  während  auf  dem  Lande  das  Aufsuchen  einer  Bank
infolge  Zeit-  und  Geldverlustes  zu  teuer  zu  stehen  kommt,  um  den  Schecks
den  Vorzug  zu  geben.  Aus  diesem  Grunde  wird  im  Verhältnis  zum  Umfange
der  zustande  kommenden  Geschäfte  auf  dem  Lande  mehr  Geld  gebraucht 1  2 ).
Je  wohlhabender  ferner  die  Mitglieder  des  Gemeinwesens  sind,  desto  ausgiebiger ­
  kommen  Schecks  zur  Verwendung.  Arbeiter  gebrauchen  sie  selten;
Kapitalisten,  Angehörige  der  gelehrten  Berufe  und  Gehalt  beziehende  Personen ­
  hingegen  gebrauchen  sie  gewöhnlich,  und  zwar  sowohl  für  persönliche ­
  als  auch  für  geschäftliche  Zwecke.
Es  herrscht  also,  was  Bequemlichkeit  und  Gewohnheit  betrifft,  eine
gewisse  Beziehung  zwischen  der  Scheck-  und  Bargeldzirkulation  und  ein
mehr  oder  weniger  stabiles  Verhältnis  zwischen  der  Depositenbilanz  des
Durchschnittsmenschen  oder  der  Durchschnittsgesellschaft  und  dem  Geldbestand ­
  in  Tasche  oder  Ladenkasse.  Diese  Tatsache,  auf  ein  ganzes  Land
angewendet,  bedeutet,  daß  sich  aus  Bequemlichkeitsgründen  ein  ungefähres
Verhältnis  zwischen  G  und  G'  herausbildet.  Wenn  dieses  Verhältnis  zeitweilig ­
  gestört  wird,  dann  wird  eine  Tendenz  zur  Wiederherstellung  des
alten  Verhältnisses  einsetzen.  Es  erfolgt  dann  ein  Deponieren  des  Überschusses ­
  an  Bargeld  oder  ein  Flüssigmachen  des  Zuviel  an  Depositen.
Es  hat  also  sowohl  das  in  Umlauf  befindliche  als  auch  das  in  Reserve

1 )  Laughlin  benützt  in  seinen  Principles  of  Money  den  bequemen  Ausdruck  „Depositenumlaufsmittel“
  (deposit  currency)  S.  118.
2 )  Siehe  Kinleys  „Credit  Instruments",  Report  of  (he  Äational  Monetary  Commission,
Senatsdokument  399,  61.  Kongreß,  2.  Session,  1910,  S.  188.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.