Störung der Gleichung und der Kaufkraft in Perioden des Übergangs. 45
später eine andere sein als zu Beginn derselben. Die Endwirkung ist, wie
wir gesehen haben, eine Verdoppelung der Preise; bevor diese aber eintritt,
schwanken die Preise auf und nieder. In diesem Kapitel wollen wir auf die
temporären Wirkungen während der Übergangsperiode näher eingehen ohne
Rücksicht auf die permanenten oder Endwirkungen, welche im vorigen Ka
pitel besprochen wurden. Diese permanenten oder Endwirkungen folgen
jedoch erst, nachdem ein neues Gleichgewicht hergestellt worden ist, — wenn
man die Herstellung eines Gleichgewichtszustandes überhaupt in das Bereich
des Möglichen ziehen kann. Wir haben es in diesem Kapitel lediglich mit
den temporären Wirkungen, d. h. mit den Wirkungen in der Übergangs
periode zu tun.
Übergangsperioden charakterisiert entweder ein Steigen oder ein
Fallen der Preise. Steigende Preise müssen von hohen Preisen und fallende
von niedrigen Preisen deutlich unterschieden werden. Mit stationären
Preisniveaus, seien sie hoch oder niedrig, haben wir in diesem Kapitel
nichts zu tun. Wir wenden unsere Aufmerksamkeit steigenden und fallen
den Preisen zu. Steigende Preise markieren den Übergang von einem
niedrigen zu einem hohen Preisniveau genau so, wie ein Abhang den Über
gang von flachem Tieflande zu flachem Hochlande bezeichnet.
Da das Studium dieses Steigens und Fallens mit der Adjustierung des
Zinsfußes fest verknüpft ist, so ist unsere erste Aufgabe, die Wirkungen
steigender und fallender Preise aut den Zinsfuß kurz zu erörtern. Der
Hauptgegenstand dieses Kapitels ist, zu beweisen, daß das eigenartige Ver
halten des Zinsfußes in Übergangsperioden für die Krisen und Depressionen,
mit welchen Preisbewegungen gewöhnlich enden, in starkem Ausmaße
verantwortlich zu machen ist.
Obwohl Geschäftsdarlehen stets in Form von Geld gemacht werden,
so wolle man beachten, daß ein Mann, der sich Geld leiht, dies nicht tut,
um Geld zu thesaurieren, sondern um für dasselbe Ware zu kaufen. Wenn
z. B. A hundert Dollar von B borgt, um einhundert Einheiten eines ge
gebenen Artikels zu einem Dollar per Einheit zu kaufen, so kann man jeden
falls sagen, daß B dem Wesen nach dem A hundert Einheiten dieses Artikels
leiht. Und wenn am Schlüsse des Jahres A dem B hundert Dollar zurück
erstattet und der Preis des Artikels mittlerweile höher geworden ist,
dann hat B einen Bruchteil der ursprünglich dem A geliehenen Kaufkraft
verloren. Denn selbst wenn A dem B die gleichen Münzen, in denen
das Darlehen ausbezahlt wurde, zurückerstatten würde, so repräsentieren
O Bezüglich vollständiger Darlegung s. Irving Fisher, The Rate of Interest, New York
(Macmillan), 1907, Kap. V und XIV.