56
V. Theil. Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse.
oben gegebene Bruchstück aus der Tabelle der reinen Be
obachtungszahlen der Summenklasse 11). . . 1516
Hierzu traten im Laufe des Jahres aus an
deren Summenklassen 116, wovon die Hälfte. 58
1574
Ferner traten im Laufe des Jahres aus der Be
obachtung dieser Summenklasse aus
wegen völligen Abgangs von der Bank 31
wegen Ueberganges zu einer anderen
Summenklasse 6
zusammen 37,
wovon die Hälfte 18,5
scf dass also für das 40. Lebensjahr (Beitritts
alter 40) die Zahl der Lebenden unter Risico
sich stellte auf 1333,5
denen Sterbefälle gegenüber zu stellen waren 5
Die theoretische Begründung des Abzugs der Hälfte des
Abgangs bei den Männer- und Frauenbeobachtungen liegt darin,
dass ein Abgang zu jeder beliebigen Zeit des Versicherungs
jahres erfolgen kann und auch wirklich erfolgt, so dass man
annehmen muss, dass die Abgegangenen im Durchschnitt nur
ein halbes Jahr unter Risico standen. In ähnlicher Weise
rechtfertigt sich die Halbirung des Zuganges wegen Uebergang
und des Abganges wegen Uebergang; denn auch der Zu- und
Abgang von einer Summenklasse zur anderen erfolgt zu den
verschiedensten Zeitpunkten des Versicherungsjahres, wenn, wie
dies hier der Fall ist, der Anfang desselben stets von dem
Prämientermine der erst abgeschlossenen Versicherung gerechnet
wird. Bei einer früheren Ermittelung der Männer- und Frauen-
Sterblichkeit der Bank nach Altersklassen, welche auszugsweise I
in den von dem Finanzrath Hopf veröffentlichten »Ergebnissen«
(Gotha 1863) mitgetheilt ist, hat man die Abgegangenen ganz
ausser Acht gelassen, d. h. die unter »Vers.« gegebenen Zahlen
gleich als Lebende unter Risico betrachtet, ein Verfahren,
welches für die damalige Zeit, — wo ein überwiegend grosser
Theil der Versicherungen mit ganzjähriger Prämienzahlung ab
geschlossen war — gewiss seine Berechtigung gehabt haben
wird, nach den gegenwärtig obwaltenden Verhältnissen aber
kaum mehr begründet sein würde. Eine Ausnahme in der
erwähnten annähernd gleichmäsigen Vertheilung der Abge
gangenen macht notorisch nur das erste Versicherungsjahr, 1
indem hier der Abgang — wir haben hier nur den wirklichen
im Auge — fast ausschliesslich von Solchen ausgeht, welche
die 2. Prämie aufzubringen nicht im Stande sind und deshalb
unmittelbar vor dem Prämientermin ausscheiden. Um diese
Abweichung zu paralysiren, wurde bei der Ordnung des Karten
materials von vorherein beschlossen, auch diejenigen als Ab
gegangene zu behandeln, deren Policen stornirt worden waren,
und welche in der That fast sämmtlich der Bank ein vier
wöchentliches Risico (wenn auch ohne Gegenleistung) auf
bürdeten. Die in der Spalte »Abg.« der Grundtafeln ent
haltenen Zahlen umfassen also auch die Stornirungen, deren
Gesammtzahl sich übrigens für alle Klassen nur auf 1872 be
ziffert, und die sich nachträglich sehr gut ausscheiden lassen
würden, wenn eine eventuelle Vereinigung des hier verarbeite
ten Materials mit anderweitigen Erfahrungen dies wünschens
wert!] machen sollte. Es verdient hierbei noch besonders
hervorgehoben zu werden, dass die Frage über die Behand
lung des (wirklichen) Abgangs bei dem hier vorliegenden Ma
teriale überhaupt nur eine sehr geringe, fast lediglich theore
tische Bedeutung hat, indem die bez. Zahlen so klein sind,
dass sie die Sterbenswahrscheinlichkeiten, also die eigentlich
allein in Betracht kommenden Endresultate, nur unmerklich
beeinflussen, wie dies aus einigen in Kapitel 111. dieser Abtheilung
mitgetheilten Zahlen deutlich hervorgehen wird.
Die Tab. XXV111—XXXIII können ausser zur Ermittelung
der Sterbenswahrscheinlichkeiten für die unmittelbar rubricirten
Altersjahre und Versicherungsjahre natürlich auch dazu benutzt
werden, die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten für grössere
Gruppen von Altersjahren und Versicherungsjahren zu berech
nen. Handelt es sich z. B. darum, das Sterblichkeitsverhältniss
für solche versicherte Männer »mit unter 3000« zu bestimmen,
welche in dem Alter von 41—43 Jahren und im 2. — 6. Ver
sicherungsjahr stehen, so haben wir einfach nöthig, die Leben
den unter Risico der entsprechenden Alter und Versicherungs
jahre nach der Tab. XXXI und ebenso die zugehörigen Ge
storbenen zusammen zu ziehen, die resp. Resultate sind 11410
und 108 und der Quotient aus denselben = 0,0095 die ge
suchte Sterbens Wahrscheinlichkeit, welche mit 100 multiplicirt,
also in der Form 0,95 zugleich den Sterblichkeitsprocentsatz
darstellt. Von solchen Zusammenziehungen ist in den späteren
Kapiteln mehrfach Gebrauch gemacht worden.
Wir kommen nun zu der Construction der Tab. XXXIV.
In den einzelnen Abtheilungen derselben enthält immer die
erste Spalte die allgemeinen Sterblichkeitsprocentsätze für die
verschiedenen bez. Klassen von Versicherten, welche, natürlich
nach den Schlusscol. der Tab. XXVIII—XXXIII (Col. »Zu
sammen <) berechnet sind. Die 2. Spalte enthält die auf Grund
dieser Sterbenswahrscheinlichkeiten entstehende Decrementen-
tafel der Lebenden, die 3. die Differenzen derselben oder die
Zahlen der Gestorbenen, die 4. die vom höchsten Alter ab
aufsummirten Zahlen der Lebenden, welche gleichzeitig die
Gesammtzahl en der Jahre darstellen, welche die Lebenden des
zugehörigen Alters gegenwärtig und künftighin antreten, die
4. endlich die mittlere Lebensdauer, welche durch Division der
Zahlen der beiden letzten Spalten und Abzug eines halben
Jahres — weil das letztangetretene Jahr, das Todesjahr, im
Durchschnitt nur zur Hälfte durchlebt wird — entsteht. Die
Anfangszahlen der Lebenden sind mit Rücksicht auf die ge
ringe Betheiligung der jüngeren Jahre so bestimmt worden,
dass sämmtliclie Tafeln bei 25 dieselbe Zahl aufweisen, und
die einzelnen Werthe der Decremententafel durch einfache
Multiplication mit den Sterblichkeitsprocentsätzen und darauf
folgendem Abzug, so dass die Spalte der Sterbenden also
gleichzeitig mit der Spalte der Lebenden zur Ausfüllung kam.
Für das Alter 60 (Männer mit unter 3000 Ji) stand die Be
rechnung z. B. so
Lebende beim Alter 60 6194
Sterblichkeitsprocentsatz desselben Alters . 3,26
also starben von den 6194 60 Jährigen im Laufe des Jahres
6194 X 0,0326 = 201,9244 = abgerundet: 202, und die
Lebenden des Alters 61 sind 6194 — 202=5992.
Die Tab. XXXIV enthält die vollständige Grundlage, nach
welcher Prämien und Reserven, der bisherigen Methode ge
rn äs — es findet danach eine Berücksichtigung der Ver
schiedenheiten in der Sterblichkeit nach Versicherungsjahren
nicht statt — ausgeführt werden können, sobald die Zah
len derselben zuvörderst einer Ausgleichung — dieser
bei Beobachtungen von beschränktem Umfange mit Rück
sicht auf die meisten practischen Zwecke stets nöthigen Ueber-
arbeitung — unterzogen worden sind. Diese Ausgleichung ist
hier unterblieben, einestheils, weil es zunächst nur darauf an
kam, die wirklichen Thatsachen der Oeffentlichkeit zu über
geben und anderenteils, weil die Ausgleichung eine Aufgabe
von so zeitraubender und zugleich kritischer Natur ist, dass es
nur erwünscht sein kann, wenn sich möglichst viele technische
Kräfte, also auch ausserhalb Stehende, an derselben betheiligen.