D. Bekämpfung des Sedurtenrüdganges 81
vejeitigt ft — zum größten Schmerze der Bergleute, Das gleiche gilt
jür unjere ganze Beamten und Militärpenfionsgefeß-
yebung. Alle dieje Gefege bedürfen nach diefer Richtung einer gqrüund-
lichen RMevifion: Endlich muß auch in der Kriegsfürforge, in der Armen.
verwaltung ujw. der Grundfag zur Durchführung fommen, daß mit
der Hahl der Kinder der Sag für jedes Kind nicht etwa verkürzt, Jondern
zrhöht werden uıuß und auf den Außenverdienit der Frau wenigjten?
bei zwei oder mehr Kindern nicht mehr geredhnet werden darf.
3. WödHnerinnenfürforge. Wer den Nachwuchs fchüßen
and fördern will, darf vor allem des Schuges der Mütter nicht vergefjen.
Das gilt insbefondere für die Zeit der Niederkunft, In erfter Linie it es
Pilicht des Staates, für einen guten Hebammendien ft dur eine
zründlidhe Hygienijdhe und tednifche Ausbildung, die au die Säuglings-
oflege umjalfen follte, und durch eine forgfältige ärztlide Übermadhung
zu forgen. Die Hebammen müjjen aber auch materiell fo geftellt werben,
daß fie, genügend an ‚Zahl, mit freudigen Pflidhtgefühl ihren wichtigen Dienft
ausüben und nicht zu unlauterm Nebenerwerb verfucht find. Das Biel
muß fein, daß auch gebildete Frauen im Hebammenbdienjt einen |tandes-
mürdigen Beruf finden und fuchen. Hier find noch dringendite Aufgaben
zu föfen. Taujende deutfcher Mütter und Kinder gehen Heute noch alljähr-
äh zugrunde infolge mangelnden Gebammendien{tes.— Ob es fich empfiehlt,
daß der Hebammendienjt vom Staat oder der Gemeinde unentgeltlich
zewährt wirb, wie in der Schweiz, möchten wir bezweifeln. Eine gemäßigte
ireie Konkurrenz hat auch hier ihre Vorzüge; jedenfalls müßte der freien
Wahl Spielraum gegeben werden. Dasjelbe gilt bezüglich der ärztlichen
Sebhurtshilje. Uns [GHeint der Weg der organifierten Selbithilije den Vorzug
zu verdienen, Anders fteht es bezüglich der Befchaffung von En tb in-
dungsanjtalten und WödhnerinnenhHeimen, Hier müjfen
Staat und Gemeinde fi in die Sorge teilen. Leider ijt diefes Bedürfnis
bei weitem nicht gededt, namentlich, Joweit die hedürftigern Kreife und
vor allem die unehelidhen Wiöcdhnerinnen in Betracht kommen.
In Preufßen betrug die Zahl der Entbindungsanjtalten (ausfchließlid) Privat-
ınjtalten bis zu 10 Betten) 1918 nur 66 mit 3182 Betten, Die Zahl der Entbindungen
tellte fid) auf 43049. In Deutfhland gibt e8 112 Entbindungsanftalten und
52 Mütterheime.
Einer bejondern gejegliden Jürjorge erfreuen Jich die gegen Lohn
defghäftigten Arbeiterinnen. Diefles in doppelter Richtung.
Zunächlt beftimmt die Gewerbeordnung, daß Wöchnerinnen mindeftens
für die Dauer von acht WochHen unidht in Fabriken und den
gleichgeftellten Betrieben (mit 10 oder mehr Arbeitern) befchäftigt werden
dürfen, von denen mindeftens jechs Wochen nach der Niederkunft liegen
müflen. Der Sinn der legtern Beitunmung ift, daß auch die Schonzeit
öiße, Seburtenrüdgang und Sozialrteform?