Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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VI.  Kapitel.

lierarbeiten,  Kunstwerke  und  andere  Erzeugnisse,  in  die  sie  verarbeitet  werden ­
  können.  In  diesem  unverarbeiteten  oder  rohen  Zustand  heißen  die  Edelmetalle ­
  Barren.
Aus  Gold  geprägtes  Geld  kann  in  Barrengold  umgewandelt  werden  und
umgekehrt.  Tatsächlich  gehen  beide  Umwandlungen  beständig  vor  sich,
denn  wenn  im  Vergleich  mit  anderen  Waren,  der  Geldwert  des  Goldes  in  dem
einen  Verwendungsgebiete  größer  ist  als  in  dem  anderen,  so  ergießt  sich  das
Gold  sofort  dorthin,  wo  seine  Anwendung  gewinnbringender  ist,  und  der
Marktpreis  des  Barrengoldes  bestimmt  die  Richtung  des  Abflusses.  Da  100
Unzen  Gold,  9 /io  fein,  in  $  1860  umgewandelt  werden  können,  muß  der  Marktgeldwert
  von  soviel  Barrengold,  9 /io  fehl,  die  Summe  von  $  1860  erreichen.
Wenn  das  Prägen  des  Barrengoldes  in  Geld  nicht  mit  Kosten  verbunden  wäre,
und  wenn  es  nichts  kosten  würde,  Geld  in  Barren  zu  schmelzen,  so  würde  ein
automatisches  Hin-  und  Herströmen  von  Geld  in  Barren  und  von  Barren
in  Geld  stattfinden,  das  ein  bedeutendes  Schwanken  des  Barrenpreises  verhütet. ­
  Wenn  der  Preis  von  Barrengold  die  Geldmenge  übersteigt,  die
daraus  geprägt  werden  kann,  so  werden  die  Goldkonsumenten,  die  Barrengold ­
  benötigen,—hauptsächlich  Juweliere,—einerlei  wie  gering  die  Differenz
sein  mag,  durch  Einschmelzen  der  Goldmünzen  in  Barrengold  diese  Differenz
ausnützen.  Ist  dagegen  der  Preis  des  Barrengoldes  geringer  als  der  Wert
der  Goldmünzen,  so  werden  die  Besitzer  von  Barrengold  nicht  versäumen,
die  Differenz  wahrzunehmen,  indem  sie  das  Barrengold  zur  Münzstätte
bringen,  um  es  in  Golddollar  prägen  zu  lassen,  anstatt  es  auf  dem  Barrengoldmarkte ­
  zu  verkaufen.  Das  Einschmelzen  der  Münzen  bewirkt  eine  Abnahme
in  der  Quantität  des  Goldgeldes  und  eine  Zunahme  der  Barrengoldmenge,
wobei  der  Geldwert  des  Goldes  als  Barrengold  herabgesetzt  und  der  Wert
des  Goldes  als  Geld  erhöht  wird;  das  Preisniveau  wird  dadurch  erniedrigt
und  die  Gleichheit  zwischen  dem  Barrengolde  und  dem  Gelde  wiederhergestellt. ­
  Bei  dem  entgegengesetzten  Verfahren  hat  ein  Prägen  des  Barrengoldes ­
  in  Münzen  die  Wirkung,  daß  der  Geldwert  des  gemünzten  und  der
Geldwert  des  Barrengoldes  ebenfalls  ins  Gleichgewicht  gebracht  werden.
In  der  Praxis  wird  der  Ausgleich  größtenteils  wahrscheinlich x )  dadurch
aufrechterhalten,  daß  die  neueste  Goldausbeute  je  nach  der  Stimmung  des
Marktes  in  der  einen  oder  anderen  Weise  verwendet  wird.  Durch  eine  derartige ­
  Versorgung  der  beiden  Reservoirs  in  Übereinstimmung  mit  deren
respektivem  Bedarf  fällt  die  Notwendigkeit  eines  nennenswerten  Hin-  und
Herströmens  von  Gold  zwischen  Münze  und  Goldwarenindustrie  weg.

*)  Vgl.  De  Launay,  The  World’s  Gold,  New  York  (Putnam),  1908,  S.  179—183.
            
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