Full text: Die hygienischen Verhältnisse der Insel Formosa

20. Das Opium. 
D as Opiumrauchen ist in Formosa seit Jahrhunderten ein 
gebürgert. Es dient nicht nur zur Befriedigung krank 
hafter Gelüste schlechthin, sondern es wird auch bei 
manchen Krankheiten, weil ihm die abergläubischen Formosachinesen 
wunderbare Heilkraft zuschreiben, anstatt der Medizin zur augen 
blicklichen Linderung der Schmerzen benutzt. Es geschieht dies 
natürlich besonders dann, wenn irgend ein Familienmitglied jenem 
Laster frönt. Eine weitere Ursache für die Verbreitung des Opium 
rauchens lag in der Sitte, bei Besuchen Opium aus Gründen der 
Gastfreundschaft anzubieten. 
Es ist stets schwer, einem Volke ein Genußmittel, auch wenn es 
noch so schädlich ist, abzugewöhnen. Und es wäre auch ebenso 
gefährlich als erfolglos gewesen, das mit Anschauung und Sitte der 
Formosachinesen so eng verwachsene Opiumrauchen gewaltsam und 
plötzlich zu unterdrücken; vielmehr mußte man sich bestreben, den 
Opiumgenuß auf die bisherigen Konsumenten zu beschränken und 
dafür zu sorgen, daß das Laster mit diesen aussterben werde, darüber 
hinaus aber auf jeden Fall den Versuch einer allmählichen Auf 
klärung und Heilung machen. Zu den Maßnahmen, die man im 
Sinne des ersten Zieles ergriff, sind die Grundlagen in dem Opium 
gesetz vom Januar 1897 gelegt worden. Die zugehörigen Aus 
führungsbestimmungen wurden im März desselben Jahres erlassen. 
Da jedoch das Gesetz wegen der auf der Insel herrschenden Unruhen 
nicht überall gleichzeitig durchgeführt werden konnte, hat man es 
zunächst nur in der Hauptstadt Taihoku und erst nach und nach 
in den anderen Städten sowie auf dem platten Lande in Kraft 
gesetzt; seit Dezember 1897 ist es auf der ganzen Insel in Geltung. 
Durch dieses Gesetz wurde die Verarbeitung des Rohopiums zu 
Tschandu, d. h. zu rauchbarem Opium, zum Staatsmonopol erhoben. 
Demgemäß wurde Privaten Einfuhr und Verarbeitung von Opium 
streng verboten und die gesamte Tschanduproduktion der pharma
	        
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