Full text: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

Strukturwandlungen der Weltwirtschaft 
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verändert worden. Immerhin tritt Kanada neuerdings stark in den 
Vordergrund; durch die Erschließung seines Westens wird es mutmaßlich 
in absehbarer Zeit die Führung unter den Überschußgebieten antreten. 
Grundlegende Bedeutung hat die Tatsache — auch dies bin ich geneigt, als 
wichtigen Strukturwandel anzusprechen —, daß die Zeit, in der die Über- 
Seegebiete ihren Weizen zu geringeren Kosten erzeugen konnten als 
die agrarisch fortgeschrittenen Länder Europas, vorüber ist. Eine 
andere Umstellung im Wirtschaftlichen, die als scheinbar strukturbedingt 
zeitweilig in die Erscheinung trat — die russische Sozialökonomik erfand 
und exportierte für sie den Ausdruck »Schere« —, ist inzwischen, wie 
So manche andere auch, bedeutungslos geworden. Wenn nicht alles 
täuscht, darf eher damit gerechnet werden, daß, von überreichen Ernte- 
jahren abgesehen, die künftige Steigerung der Agrarpreise diejenige der 
Industriepreise überholen wird. Es soll dies jedoch beileibe keine »Pro- 
ßnose« sein, sondern nur eine Vermutung, für die es freilich an guten 
Gründen nicht fehlt. Hierbei wird unterstellt, daß über kurz oder 
lang auch gewisse osteuropäische Länder zur Stabilisierung ihrer Wäh- 
tung gelangen werden und ihnen infolgedessen die Unterbietung der 
Weltmarktpreise unmöglich gemacht wird. 
Weltwirtschaftlich bedeutsam für die agrarische Entwicklung sind 
Sewisse Strukturwandlungen auf dem Gebiet der Viehzucht und der 
Bereitstellung von tierischen Erzeugnissen. Hinzuweisen ist da vor 
allem auf die einschlägige Entwicklung in süd- und zentralamerikanischen 
Ländern, wie z. B. Uruguay und Paraguay, deren Konkurrenz durch 
Viehzucht und Gefrierfleischindustrie sich auf dem Weltmarkt schon in 
wenigen Jahren empfindlich bemerkbar machen dürfte. Von nicht 
Minder großer Bedeutung ist die Belieferung des Weltmarktes mit 
Molkereierzeugnissen durch Kanada, Australien und andere Gebiete des 
ritischen Imperiums geworden. Nicht nur, daß dadurch der Ausfall 
Sibiriens, der übrigens nur vorübergehend sein dürfte, wettgemacht 
Wurde, sondern es bedeutete zugleich eine merkliche Bedrohung der Aus- 
fuhr gewisser europäischer Länder, wie Dänemarks und Hollands, vor 
allem nach England. 
Im übrigen hat fast jedes Land seine besonderen agrarischen Struktur- 
Wandlungen, die jedoch nur teilweise international bedingt sind und, 
Soweit dies der Fall ist, auch unterschiedliche internationale Wirkung aus- 
üben. Von Deutschland und Westeuropa aus gesehen, machen sich gewisse 
Auf den Krieg zurückgehende Strukturwandlungen von verhältnismäßig 
Umfassender Tragweite geltend. In der Vorkriegszeit war Rußland der 
Soße Gerstelieferant; es steuerte zur Welternte etwa 70 °% bei. ‚Der 
Norden und Westen Deutschlands, Dänemark und Holland hatten auf 
len Bezug russischer Gerste ihre Schweinezucht nebst Veredelungswirt- 
D*
	        
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