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die Beurteilung der Finanzlage eines Landes — des Volkes und
nicht der Regierung — hat eine vorwiegende Bedeutung nicht die
Defizitlosigkeit des Budgets, sondern die Größe der Steuerlast und
die der Ersparnisse.
Ist die Möglichkeit eines Bankrotts Rußlands auch problematisch
und einer statistisch begründeten Lösung x ) unzugänglich,
so ist es anderseits außer Zweifel, daß eine solch hohe Besteuerung
den Kapitalzuwachs des Landes und seine Industrieentwicklung
hemmen muß, während die Konkurrenzstaaten sowohl auf
dem Weltmärkte (Australien, Vereinigte Staaten, Kanada, Argentinien)
als auch in der internationalen Politik (England, Frankreich,
Deutschland, Oesterreich) rasch ihre Produktivkräfte entwickeln
und immer mehr Rußland in den Hintergrund drängen. Bei dem
gegenwärtigen Stand unserer offiziellen Statistik ist eine genaue
Berechnung der Kapitalakkumulation absolut unmöglich. Um aber
die in bezug auf diese Frage verbreiteten, völlig grundlosen Meinungen
zu beseitigen, halten wir es danach für zweckmäßig, unser
ungenügendes Material zu verwerten, um wenigstens eine allgemeine,
mehr oder weniger der Wirklichkeit entsprechende, Vorstellung
von diesem wichtigen ökonomischen Prozeß gewinnen zu
können. Um dieses Ziel zu erreichen, sind wir genötigt, uns mit
unvollständigen und annähernden, aber zweifellos symptomatischen
Angaben zu begnügen. Wir verfügen über folgende Daten:
1. Ueber die Reichsschulden.
2. Ueber die Summen, die für den Eisenbahnbau verwendet
wurden.
3. Ueber das Stammkapital der Aktiengesellschaften.
4. Ueber die Akkumulation des freien Kapitals in den Banken
(Kontokorrente).
Unberücksichtigt bleibt der Kapitalzuwachs in den privatkapitalistischen
Unternehmungen und die Akkumulation der Produktivkräfte
in den kleineren Bauern- und Handwerksbetrieben.
Was die letztere anbetrifft, so können die Ersparnisse dieser
kleinen Produzenten, wie man dies aus der Verteilung des Volkseinkommens
erblickt, kaum bedeutend sein. Bei einem Jahreseinkommen
von 33,68 Rubel ist es schwer zu sparen. Es läßt
*) Weiter werden wir noch Gelegenheit haben, zu zeigen, daß einige
Aenderungen innerhalb der Volkswirtschaft Rußlands am Beginn des 20. Jahrhunderts
die Gefahr eines Bankrotts — wenigstens für die nächste Zeit —
völlig ausschließen.