480 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
March gegangen und in Ungarn eingefallen; und eben war es
in einem Treffen bei Blumenau, am 22. Juli, im Vordringen,
als die Nachricht einer vom Hauptquartier abgeschlossenen fünf—
tägigen Waffenruhe eintraf. Ihr folgte dann am 26. Juli der
Waffenstillstand von Nikolsburg, der bald durch einen endgültigen
Frieden gekrönt wurde.
Die Waffentaten hatten damit ihr Ende erreicht, im An—
gesicht der Donau und des Wiener Stephansturmes zügelten
die preußischen Vedetten ihre Rosse.
Mit der Schlacht von Königgrätz war der Sieg Preußens
über Osterreich entschieden. Das wurde sofort überall gefühlt:
und schon deshalb, ganz abgesehen von der unerwarteten Stärke
Preußens, machte die Nachricht des 3. Julis überall das außer—
ordentlichste Aufsehen.
Außerhalb Deutschlands am meisten in Frankreich. Ge—
schehen war, was man am wenigsten erwartet hatte: sterreich
war bezwungen. Und klar traten alsbald die Folgen vor das
französische Auge: die Einheit Deutschlands unter preußischer
Führung, die Entstehung eines mächtigen Reiches im Zentrum
Europas, das von nun ab an Stelle Frankreichs die politische
Führung des Weltteils übernehmen könnte. Daher ertönte so—
fort der Ruf Revanche pour Sadowa. Und in ihm waren
alle einig: Heer und Klerus, Liberale und Legitimisten. Der
einzige vielleicht, der diese Lage nicht völlig klar erkannte oder
wenigstens zu schwach war, aus ihr sofort die richtigen Folgen
zu ziehen, war der Kaiser, war Napoleon.
Napoleon hätte in diesem Moment sofort dazwischentreten
müssen, kostete es, was es wollte. Freilich war Frankreichs
Heer nicht genügend gerüstet, um dem furchtbaren Sieger mit
Aussicht auf Erfolg entgegenzutreten. Gleichwohl hätte Napoleon,
vom französischen Gesichtspunkte aus betrachtet, einen festen
Eingriff alsbald versuchen müssen, zumal ihm von ÄÖsterreich
Anlaß zur Einmischung gegeben wurde.
Sofort nach der Schlacht bei Königgrätz trat nämlich Oster⸗
reich Venetien an Napoleon ab, damit dieser es an Italien gäbe
und zugleich Italien zum Frieden zwänge. Es geschah auf