I. Abschnitt.
Die Entwicklung der deutschen Zigarettenindustrie
bis zur Gegenwart.
A. Die Anfänge.
Mit der gewerbsmäßigen Herstellung von Zigaretten ist in
Deutschland erst geraume Zeit später als in anderen Ländern begonnen
worden. Noch in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts,
als sich in Rußland die „Papyros“, wie dort die Zigaretten
genannt werden, schon der allgemeinen Gunst des Publikums
erfreuten und in großer Zahl gewerbsmäßig hergestellt wurden,
konnte man in Deutschland nur in einigen großen Tabak-Spezialgeschäften
dieses noch fremdartig anmutende Fabrikat bekommen.
Es handelte sich hierbei ausschließlich um Zigaretten, die aus Rußland,
Frankreich oder von der Habanna eingeführt waren. Die
Konsumenten dieser Importzigaretten waren anfangs zumeist Leute,
die sich im Auslande das Zigarettenrauchen angewöhnt hatten und
nun die angenommene Gewohnheit auch noch nach ihrer Rückkehr
in die Heimat beibehielten. Bald fanden sich andere, die, durch
das Beispiel jener verleitet, auch einmal diese neue Art des Tabakgenusses
erprobten und an ihr Gefallen fanden.
Da die importierten Zigaretten ziemlich hoch im Preise standen,
wurden sie bald Gegenstand von Nachahmungen. Die Zigarettenfabrikation
fand so auch eine Stätte in Deutschland, wo sie sich
anfangs zumeist der Raucht ab a k fabrikation angliederte, deren
Produktivität sie durch die Möglichkeit der Verarbeitung bestimmter
Sorten von Rauchtabak (nämlich levantinischen Tabaks, der auch
früher schon zum Teil als Pfeifentabak verwendet worden war)
zu relativ hochwertigen Produkten steigerte; zudem ermöglichte
sie auch eine bessere Ausnutzung des fixen Kapitals — Schneidemaschinen
— infolge des erhöhten Bedarfs an Schnittabak.
Die Technik der Zigarettenherstellung selbst war damals noch
äußerst einfach. Mit den Fingern wurde der geschnittene Tabak