Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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Rauchen  einer  Zigarette,  zu  dem  nur  wenige  Minuten  erforderlich ­
  sind.
Hinzu  kommt  noch,  daß  für  viele  infolge  der  zunehmenden ­
  Verfeinerung  derLebensgewohnh  eiten  in  unserer  Zeit
die  Pfeife  oder  Zigarre  ein  viel  zu  schwerer,  massiver  Rauchgenuß
ist,  da  unsere  Nerven  anders  und  leichter  erregbar  sind  als  die
unserer  Vorfahren.  Man  liebt  heute  vielfach  das  Milde,  Weichliche,
nicht  mehr  das  Derbe  und  greift  deshalb  zur  Zigarette,  die  ihrer
Zusammensetzung 1 )  und  ihrem  geringen  Tabakgehalt  zufolge  die  am
leichtesten  verträgliche  Art  des  Tabakgenusses  darstellt.
Ihre  leichte  Verträglichkeit  hat  der  Zigarette  übrigens  eine  besondere ­
  Funktion  zugewiesen:  Sie  ist  heute  in  den  meisten  Fällen
das  Objektder  erstenRauchstudien.  Bekannt  ist  die  Neigung
zum  Rauchen  bei  jungen,  erst  halberwachsenen  Leuten,
die  teils  durch  die  Sucht,  es  den  Großen  nachzutun,  teils  durch  die
Begierde,  Verbotenes  zu  genießen,  hervorgerufen  wird.  Diese  Kreise
wenden  nun  ihre  Gunst  zumeist  den  Zigaretten  zu,  die  für  sie  sowohl ­
  zuträglicher  als  auch  leichter  erschwinglich  wie
Zigarren  sind.  Sehr  oft  wird  dann  die  einmal  angenommene  Gewohnheit ­
  des  Zigarettenrauchens  auch  noch  in  späteren  Jahren
beibehalten  und  auf  diese  Weise  dem  Zigarettenkonsum  zu  immer
weiterer  Verbreitung  verholfen.
Infolge  ihres  teilweise  außerordentlich  niedrigen  Kaufpreises ­
  haben  die  Zigaretten  auch  in  Arbeiterkreisen  viele  Freunde
gefunden;  hier  gibt  man  den  Zigaretten  gegenüber  den  Zigarren
vielfach  nur  deshalb  den  Vorzug,  weil  sie  billiger  sind  als  diese.
So  schreibt  die  Breslauer  Handelskammer 1  2  3 ),  daß  der  Zigarettenkonsum ­
  gerade  deshalb  immer  mehr  zunehme,  weil  die  Zigarette
infolge  ihrer  Billigkeit  immer  mehr  in  die  ärmeren  Volksschichten ­
  eindringe,  und  der  Abgeordnete  von  Elm  äußerte  sich
im  Reichstage  gar  dahin,  daß  „das  Gros  von  Zigaretten  von
armen  Leuten  geraucht  werde  und  zwar  von  den  ärmsten,  von
Leuten,  die  sich  zum  Teil  nicht  den  Genuß  einer  Zigarre  des
Preises  wegen  leisten  könnten“ s ).
Daß  die  Zigarette  heute  ein  billiger  Massenartikel  ist,
wird  übrigens  am  besten  dadurch  bewiesen,  daß  jetzt  durchschnittlich ­
  mehr  als  zwei  Fünftel  aller  in  Deutschland  hergestellten

1)  Vergl.  hierüber  das  auf  Seite  24  Gesagte!
2)  Breslauer  Handelskammerbericht  1905,  S.  237.
3)  Stenographischer  Reichstagsbericht  vom  7.  Mai  1906.
            
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