Full text : Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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Drittes  Kapitel.
Die  Zollpolitik.
Als  eines  der  mächtigsten  Mittel  der  Industrieentwicklung  gilt
•die  Schutzpolitik.  Die  Belastung  der  importierten  Waren  mit
solchen  Abgaben,  die  dem  ausländischen  Produzenten  die  Konkurrenz ­
  mit  dem  einheimischen  auf  dem  inländischen  Markte  erschweren ­
  und  dem  letzteren  einen  guten  Gewinn  garantieren,  wirkt
fördernd  auf  die  einheimische  Industrie.  Die  russische  Zollpolitik
hat  schon  längst  einen  protektionistischen  Charakter  angenommen,
aber,  wie  wir  oben  gesehen  haben,  bleibt  Rußland  ein  überwiegend
landwirtschaftlicher  Staat.  Im  Jahre  1900  erreichte  die  extrahierende
und  bearbeitende  Industrie  einen  Wert  von  1495  Millionen  Rubel,
während  die  Landwirtschaft  fast  das  Doppelte,  nämlich  2738  Millionen ­
  Rubel  einbrachte.  Die  Schutzpolitik  vermochte  somit  nicht
Rußland  in  einen  industriellen  Staat  zu  verwandeln.  Um  die  Ursachen ­
  dieses  Mißlingens  zu  begreifen,  müssen  wir  zuerst  die  Ziele
kennen  lernen,  die  unsere  Zollpolitik  verfolgt.
Wie  man  aus  den  Motiven  zur  Einführung  dieser  oder  jener
Zölle  ersehen  kann,  verfolgten  die  russischen  Zollabgaben  drei
Ziele:  1.  ein  fiskalisches  —  die  Zölle  sind  eine  der  Hauptquellen
der  Reichseinnahmen,  2.  ein  protektionistisches  —  durch  die  Preiserhöhung ­
  der  importierten  Waren  fördern  die  Zölle  die  Entwicklung ­
  der  russischen  Industrie,  3.  ein  handelspolitisches  —  durch
die  Einschränkung  des  Imports  wird  für  Rußland  eine  günstige
Handelsbilanz  erreicht.  Diese  Verschiedenheit  der  von  der  Zollpolitik ­
  verfolgten  Ziele,  die  mitunter  einander  widersprechen,  ver
hindert  ein  konsequentes  Streben  zur  Verwirklichung  jedes  derselben. ­
  Die  finanziellen  Erwägungen  erfordern  einen  Zoll,  der
ein  Maximum  von  Einnahmen  gewähren  könnte.  In  den  einen
Fällen  steigt  die  Einnahme  bei  der  Erhöhung  des  Zolls,  in  anderen
hingegen  bei  seiner  Reduzierung.  Nach  der  zollamtlichen  Arith-Arch.
  f.  Sozialwissensch.  u.  Sozialpol.  Ergänzungsheft:  Prokopowitsch.  5
            
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