Die deutsche Portland-Zementindustrie in ihrem Verhältnisse zum Auslande. 77
kommen, weil diese ihm sein Absatzgebiet im Königreich Sachsen
streitig machte. Danach zahlte das Syndikat an die genannte
Fabrik jährlich 10000 Mk. und mußte ein bestimmtes Quantum
für sie absetzen, während sie den Versand nach Sachsen ein
stellte h Das süddeutsche Syndikat traf 1904 ebenfalls eine
Abmachung mit dem österreichischen und zwar des Inhalts,
daß jedes Kartell eine bestimmte Menge des anderen abzusetzen
hat, wobei der Anteil Österreichs vier mal so groß festgesetzt
wurde als der Süddeutschlands 1 2 . Mit seinem anderen Nachbarn,
der Schweiz verglich sich der süddeutsche Verband ebenfalls;
danach sollte der Absatz in das fremde Land von beiden Kon
trahenten eingestellt werden außer bei beiderseitigen Rheinbauten
an der Grenze, bei denen beide Länder an der Zementlieferung
gleichmäßig beteiligt sein sollten 2 . Auch die belgischen Fabriken
haben namentlich in neuerer Zeit in Rheinland-Westfalen und
Holland den deutschen Werken starke Konkurrenz gemacht, was
ihnen um so leichter wurde, als sie wegen niedrigerer Löhne
und sozialer Lasten billiger produzieren. Auch hier wurde eine
vertragliche Regelung notwendig, sie kam 1904 mit Wirkung ab
1905 zustande, und es beteiligten sich daran die drei Syndikate
in Süddeutschland, Rheinland-Westfalen und Belgien. Das letztere
stellte seinen Absatz in das Gebiet der beiden ersteren und aller
derer, die sich diesem gegenüber verpflichtet hatten, keinen
Zement nach Belgien zu liefern, ein und übernahm den Absatz
eines bestimmten Anteils für das süddeutsche und rheinisch
westfälische Syndikat. Für den Absatz in Holland gründeten
die drei Syndikate die Handelsgesellschaft „Vereinigte Deutsch-
Belgische Zementfabriken“ mit einer Verkaufsstelle, die den
Absatz nach bestimmten Prozentsätzen auf sie verteilt. Seiner
Struktur nach entspricht dieses holländische Syndikat den höher
entwickelten deutschen Kartellen. Ihm traten auch noch der
englische Zementtrust, die Société Anonyme des Ciments Français
in Paris und die Portland-Zementwerke in Christiania bei. Es
1 Akten der Oppelner Handelskammer über Tarifierung von Zement.
2 May, S. 70.