Full text : Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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unser  Protektionismus  sui  generis,  dessen  Hauptaufgabe  die  Heranziehung ­
  ausländischen  Kapitals  ist,  von  einem  vollen  Erfolg  gekrönt ­
  ist.  Bei  näherem  Zusehen  aber  stellt  sich  heraus,  daß  unsere
Zollpolitik  in  dieser  Hinsicht  ein  völliges  Fiasko  erlitten  hat.  Die
ausländischen  Kapitalisten  haben  wenig  Vertrauen  zu  fremden
Leuten,  deren  Gewissenhaftigkeit  und  Tüchtigkeit  ihnen  unbekannt
sind.  Die  Uebersiedlung  nach  Rußland  aber  ist  für  sie  wenig  verlockend. ­
  Sie  ziehen  es  deshalb  vor,  ihre  Ersparnisse  in  jene
kolonialen  Länder  zu  schicken,  wo  sie  die  gewohnten,  rechtlichen,
politischen  und  kulturellen  Bedingungen  vorfinden;  in  Rußland
aber  fordern  sie  eine  Garantie  des  Staates.  Aus  der  Gesamtsumme
der  auswärtigen  Kapitalien,  die  in  den  Jahren  1893—1908  nach
Rußland  hinübergesiedelt  haben,  sind  es  nur  20°/o,  die  in  der
Privatindustrie  investiert  worden;  8o°/o  sind  in  die  Reichsfonds

eingelegt.  Durchschnittlich  betrug  der  Kapitalzufluß  im  Jahre

Heimisches

Ausländisches

Kapital

Kapital

Mill.  Rubel

Mill.  Rubel

1893—1896

34,8

—  42,9.

1897—1900

340,7

190,6

1901  —  1904

167,8

1,0

1905—1908

198,1

69,5

Durchschnittlich

185,3

54,6

Diese  Tabelle  zeigt,  daß  alle  Anstrengungen,  die  das  Land
für  die  Heranziehung  ausländischen  Kapitals  gemacht  hat,  ergebnislos ­
  blieben.  Um  jährlich  55  Millionen  Rubel  zu  erhalten,
brauchte  man  nicht  die  Zollsätze  generell  heraufzuschrauben  und
einen  entsprechenden  Zoll  für  unseren  Export  zu  provozieren.
Durch  eine  Anspannung  des  Reichskredits  könnte  man  diese
55  Millionen  Rubel  billiger  erhalten.  Der  Mißerfolg  unserer  Zollpolitik ­
  wird  noch  deutlicher,  wenn  man  den  Zufluß  des  ausländischen
Kapitals  nach  Rußland  in  den  Jahren  1893  —1908  (als  zur  Zeit
•des  höchsten  Triumphes  des  Zollschutzes)  mit  dem  Kapitalzufluß
vergleicht,  der  in  den  Jahren  1860—1870  (während  der  freihändlerischen ­
  Aera)  zu  verzeichnen  war.  Die  heimische  Kapitalakkumulation ­
  war  damals  ganz  minimal  und  die  Aktiengesellschaften ­
  gründeten  sich  hauptsächlich  vermittels  des  ausländischen
Kapitals.  Vergleichen  wir  die  Größe  des  Grundkapitals  der  gegründeten ­
  Aktiengesellschaften  mit  der  Höhe  der  Zollbelastung,
so  erhalten  wir  folgende  Tabelle:
            
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