Full text : Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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ihre  Arbeiter  erst  zu  erziehen,  was  sehr  teuer  zu  stehen  kommt.
Zweitens,  die  Konzentration  der  Produktion  an  einem  Orte  gewährt
die  Möglichkeit,  die  Produktionskosten  zu  vermindern.  Drittens
verfügt  die  alte  Industrie  über  eine  große  Anzahl  unternehmungslustiger ­
  und  erfahrener  Administratoren,  kennt  genau  den  Markt
und  besitzt  eine  gut  funktionierende  Organisation  des  Absatzes.
Einer  jungen  Industrie  aber  mangelt  es  an  alledem  im  hohen
Maße.  Alle  diese  Vorzüge  einer  alten  Industrie  sind  so  groß,
daß  in  mehreren  Fällen  dieser  oder  jener  Produktionszweig  ohne
Zollschutz  gar  nicht  entstehen  könnte.  Ein  Zollschutz  in  gewissen
Fällen  könnte  deshalb  von  großem  Nutzen  sein.  Aber  neben  den
Industriezweigen,  die  einen  Schutz  bedürfen,  existieren  andere
Zweige,  die  sich  auch  ohne  Schutz  entwickeln  können,  und  noch
andere,  die  auch  unter  dem  Schutz  einer  Zollmauer  nur  zu  vegetieren
vermögen.  Die  Einführung  eines  Zollschutzes  erfordert  deshalb
eine  besondere  Vorsicht;  das  Eingreifen  des  Staates  in  das  wirtschaftliche ­
  Leben  muß  zweckmäßig  und  vernünftig  sein.  Jeder
übermäßig  große  Zollschutz  ist  für  die  Volkswirtschaft  von  großem
Schaden,  da  er  direkter  Verlust  für  die  Konsumenten  der
verzollten  Produkte  ist;  indirekt  aber  trifft  er  alle  Produzenten  der
Exportartikel,  da  er  einen  entsprechenden  Zoll  der  benachbarten
Staaten  provoziert.
Die  Zollschutzpolitik  Rußlands  wird  hauptsächlich  von  dem
Bauerntum  bezahlt,  da  es  der  Hauptkonsument  der  verzollten  Industrieartikel ­
  und  der  Produzent  unseres  wichtigsten  Exportartikels,
des  Getreides,  ist,  der  im  Auslande  einem  Retortionszoll  begegnet.
Ist  der  Schutzzoll  mit  Geschick  und  Vernunft  eingeführt,  so  kann
der  Schaden,  den  er  der  Landwirtschaft  und  seinem  Hauptvertreter,
dem  Bauern,  beibringt,  durch  die  Erfolge  der  Fabrikindustrie  kompensiert ­
  werden;  andernfalls  ist  der  Schaden  ein  direkter  Verlust
für  die  Volkswirtschaft.  Anderseits  muß  man  auch  damit  rechnen,
daß  jedes  Uebermaß  an  Schutz  für  eine  Industrie  einen  technischen
Rückstand  zur  Folge  hat.  Ein  vernünftiges  Schutzsystem  auszuarbeiten ­
  ist  sehr  schwer.  Nicht  der  Mangel  an  Wissen  bei  den
maßgebenden  administrativen  und  gesetzgeberischen  Instituten  ist
hier  ein  Hindernis,  sondern  auch  die  Eigenschaften  jener  Persönlichkeiten, ­
  die  als  Sachverständige  hinzugezogen  werden.  Als
solche  erscheinen  immer  die  Industriellen  und  Unternehmer,  die
die  Privatinteressen  der  Produzenten  bestimmter  Industriezweige
einseitig  beleuchten,  wobei  hinzugefügt  werden  muß,  daß  eine
            
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