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Elektrothermische
Prozesse
feld ausgeübt. Staubförmige, reinste Tonerde gestaltet
sich im Gebläse der Knallgasflamme zu denselben lichtbrechenden,
krystallklaren Schmucksteinen, wie sie die
Natur nicht schöner liefern kann. Die taubenblutfarbenen
Rubine von Birma und Ceylon, die kornblumenblauen
Saphire von Kaschmir, die farblosen Leukosaphire,
der orientalische Amethyst, der hyazinthrote
Alexandrit: alle diese Geheimnisse sind der Natur entlockt
worden. Schon werden ca. 6 Millionen Karat
dieser synthetischen Edelsteine mit allen Eigenschaften
der natürlichen fabriziert, die mit 2—8 Mark pro Karat
(= Vö g) verkauft werden. Und doch werden die Steine
natürlicher Herkunft von Liebhabern noch mit dem fünfhundertfachen
Preise bezahlt.*)
In einer Zeit, die der Elektrizität soviel Wandlungen
des täglichen Lebens verdankt, ist es nicht wunderbar,
dass sich die chemische Industrie auch noch anderer
Seiten dieser proteusartigen Kraft bedient. Während bei
der Elektrolyse die Verwandlung der elektrischen in
chemische Energie zu Prozessen verwendet wird, die
nicht bei besonders hohen Temperaturen verlaufen, hat
man bei anderen die Fähigkeit des elektrischen Stromes
benutzt, bei der Ueberwindung von Widerständen grosse
thermische Energien zu erzeugen und Temperaturen herbeizuführen,
die ohne aussergewöhnliche Kosten sonst
nicht zu erreichen waren.
Zu diesen hohen Temperaturen hat man seine Zuflucht
genommen, um Elemente zur Reaktion zu bringen,
*) Vgl. Synthetische Edelsteine, als Manuskript gedruckt von
der Deutschen Edelstein-Gesellschaft, Idar 1911.