Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

Einleitung. 
Ziel und Rechtfertigung 
der nationalökonomischen Untersuchung. 
Die Abschaffung des britischen Sklavenhandels ist merk 
würdigerweise, soviel darüber geschrieben worden ist, bisher 
noch nicht vom wirtschaftspolitischen Standpunkte aus be 
trachtet worden. Die vorhandenen Untersuchungen gehen 
mehr von kultur- oder allgemein geschichtlichen, aber nicht 
von ökonomisch-materiellen Gesichtspunkten aus. Mit be 
sonderer Vorliebe ist die moralisch - ethische Seite dieser An 
gelegenheit gepflegt und oft in einseitiger Übertreibung als 
der einzige in Betracht kommende Faktor hingestellt worden. 
Eine Erklärung hierfür liegt vielleicht in der Zeitanschauung, 
aus der heraus die meisten Schriftsteller die Abolition be 
urteilt haben ; denn die Mehrzahl der Untersuchungen stammt 
aus der liberalen, zu ideologischen Übertreibungen neigenden 
und praktischen Erklärungen abholden Mitte des 19. Jahr 
hunderts. Sie sind zumeist in Anlehnung an die damals alle 
Gemüter beschäftigende nordamerikanische Sklavenemanzi 
pationsfrage geschrieben worden, als der Liberalismus es zu 
erleben vermeinte, dafs die gutherzigen Farmer des Nordens 
aus reiner Menschenliebe ihr Leben für die Freiheit ihrer 
schwarzen Brüder in die Schanze schlugen. Was Wunders, 
wenn man in dieser Zeit den Einflufs der philantropischen 
Ideen überschätzte! Wie oft verwies man damals auf Eng 
lands edles Beispiel, das sich 1807 ohne Aufhebens, ganz im 
Stillen vom Menschenhandel zurückgezogen habe, das kein 
Opfer gescheut hatte, um das Los seiner unglücklichen Kolonial 
sklaven zu verbessern, und das im Jahre 1832 wiederum 
28 Mill. £ für ihre Freiheit hin gegeben hatte ! Der extreme 
Liberalismus kannte kaum eine erhabenere, uneigennützigere 
Tat als die britische Abolition und Emanzipation. Jede andere 
Beurteilung dieser Vorgänge, etwa vom politischen oder gar 
Forschungen XXV 1 (116). - Hochstetter. 1
	        
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