Full text : Deutschlands chemische Industrie

Das  in  den  deutschen  Gasanstalten  angelegte  Kapital
beträgt  1,3  Milliarden  Mark.  In  den  grossen  Städten
kommen  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung  etwa  100  Kubikmeter ­
  im  Jahre.  Der  Etat  der  Berliner  Gaswerke  macht
mit  60—70  Millionen  Mark  mehr  als  ein  Sechstel  des
Etats  der  Reichshauptstadt  aus.  Von  den  1700—1800
deutschen  Gaswerken  befinden  sich  etwa  25%  der  Zahl
nach  und  10%  der  Produktion  nach  im  Besitze  privater
Gesellschaften  mit  einem  Kapital  von  190  Millionen
Mark;  die  übrigen  Werke  befinden  sich  im  Besitz  von
Kommunen,  für  die  sie  zur  Bestreitung  wichtiger  Aufgaben ­
  eine  willkommene  Einnahmequelle  bilden.  Gleichwohl ­
  wäre  es  im  Interesse  der  Industrie  zu  wünschen,
dass  sich  dieses  Verhältnis  nicht  weiter  vermindere,  da
die  Privatunternehmungen  der  Einführung  grosszügiger
Verbesserungen  erfahrungsgemiäss  leichter  zugänglich
sind  als  die  von  einem  komplizierten  Verwaltungsmechanismus ­
  abhängigen  kommunalen  Werke.
Schon  bei  der  Entwicklung  der  Ammoniakindustrie
haben  wir  darauf  hingewiesen,  wie  die  Destillation  der
Steinkohle  nicht  allein  von  den  Gasanstalten,  sondern
in  steigendem  Masse  auch  von  den  durch  die  wachsenden
Koksbedürfnisse  der  Eisenindustrie  ins  Leben  gerufenen
Kokereien  aufgenommen  wurde.  Dadurch  stieg  die  Teerproduktion ­
  Deutschlands  in  den  Jahren  1883  bis  1909
von  85  000  auf  eine  Million  Tonnen,  wovon  etwa  90  %  auf
einzelne  Teerprodukte  weiter  verarbeitet  wurden,  von
denen  Benzol,  Toluol,  Phenol,  Naphthalin  und  Anthrazen
als  die  für  die  Farbenindustrie  wichtigsten  zu  nennen
sind.  !
Das  Verdienst,  die  Grossindustrie  der  Teerdestillation ­
  in  Deutschland  begründet  und  dadurch  die  Farbenindustrie ­
  in  der  Anschaffung  ihres  Rohmaterials  von

Teerdestillation ­


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