Full text: Deutschlands chemische Industrie

wurde alsbald auch in anderen deutschen Fabriken auf 
genommen.*) 
Aber auch England war auf dem Plan. Unabhängig 
von Caro hatte Perkin die Sulfosäure dargestellt und 
mit Alkali verschmolzen, und nur einem glücklichen Zu 
fall war es zu danken, dass den deutschen Erfindern 
die Früchte ihrer Arbeit nicht auch in England verloren 
gingen: das englische Patent von Caro, Grabe und 
Liebermann wurde in London (am 25. Juni 1869) 
gerade einen Tag früher eingereicht als das von Perkin. 
Die Deutschen waren loyal genug, sich zu einer Teilung 
Ües englischen Marktes mit Perkin bereitfinden zu 
lassen. 
Zur Zeit der Aufnahme des künstlichen Alizarins 
in Deutschland belief sich der jährliche Weltverbrauch 
von Krappfarbstoff auf ca. 50 Millionen kg Wurzeln 
mit 1—11/2 Prozent Farbstoffgehalt oder 1/2—3/4 Millionen 
Kilogramm lOOprozentiger Ware mit einem Verkäufs- 
wert von ca. 45 Millionen Mark. Die neue Fabrikation 
*) Dies ist nicht der einzige Fall, dass diese Behörde ein 
wichtiges Patent versagte: H. Caro hatte 1869 bei der Einwirkung 
von Leuchtgas auf Salpetersäure die Bildung von Nitrobenzol be 
obachtet. Als er bei einem Versuche abberufen wurde, fand er 
nach seiner Rückkehr, dass die vorgelegte Salpetersäure ver 
braucht war, das gebildete Nitrobenzol aber grosse Mengen Benzol 
enthielt. Caro bemerkte alsbald, dass das Nitrobenzol für das 
Benzol als Lösungsmittel gedient lund dessen Extraktion aus dem 
Leuchtgas bewirkt hatte und hatte darauf mit Engelhorn und den 
Brüdern Clemm das englische Patent 488/69 erhalten; die preussische 
aus dem Steinkohlengas durch hochsiedende Oele die Grundlage 
für die Gewinnung der Nebenprodukte bei den Kokereien. (Bernth- 
sen, H. Caro, Ber. d. d. ehern. Ges. 1912, Sonderabruck Seite 21.) 
Lepsius: Deutschlands Chemische Industrie.
	        
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