73
Das Färben mit Indigo ist von alters her eine besondere
Kunst gewesen. Man bringt nämlich den Farbstoff
nicht direkt auf die Faser, sondern stellt in der
sogenannten Indigokupe mit Hilfe von Reduktionsmitteln
einen in Wasser löslichen farblosen Indigo her,
tränkt die Gewebe mit der Lösung, die in jede Faser
eindringt, und lässt den blauen, ganz unlöslichen Farbstoff
durch Oxydation an der Luft entstehen. Dieser 1
haftet daher nicht auf, sondern in der Faser und besitzt
grosse Widerstandsfähigkeit. Man hat deshalb versucht,
den Indigo in andere Küpenfarbstoffe umzuwandeln und
fand ebenso schöne und echte Farben, röterer oder
grünerer Schattierungen, in seinen Chlor- und Bromderivaten.*)
Bei diesen Untersuchungen ist die merkwürdige Entdeckung
gemacht worden, dass man in einem künstlich
hergestellten Dibromindigo den Purpur der Alten erkannte.
Dieser von den Phöniziern aus der Purpurschnecke
des Mittelmeers gewonnene kostbare Farbstoff
war im Laufe der Zeit vergessen worden. Man
kannte nicht einmal seine wirkliche Farbe, bis Pa;ul
Friedländer in Darmstadt im Jahre 1909 den antiken
Purpur zum Gegenstände einer interessanten Untersuchung
machte. Aus 12 000 Schnecken der Art Murex
brandaris, die am besten mit der von Plinius beschriebenen
Purpurea übereinstimmt, wurden die Farbdrüsen
herauspräpariert, durch kurzes Belichten an der Sonne
der Farbstoff entwickelt, durch Lösungsmittel extrahiert
und aus Chinolin umkrystallisiert. So gewann er andert-*)
Bis zum Jahre 1907 wurden in Deutschland 316 mit dem
Indigo im Zusammenhang stehende Patente genommen. Die ersten
Patente Baeyers, No. 11857 und 11858 zur Darstellung von Indigo
aus Orthonitrozimtsäure wurden im März 1880 eingereicht.
Antiker
Purpur