Full text : Deutschlands chemische Industrie

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Das  Färben  mit  Indigo  ist  von  alters  her  eine  besondere ­
  Kunst  gewesen.  Man  bringt  nämlich  den  Farbstoff ­
  nicht  direkt  auf  die  Faser,  sondern  stellt  in  der
sogenannten  Indigokupe  mit  Hilfe  von  Reduktionsmitteln ­
  einen  in  Wasser  löslichen  farblosen  Indigo  her,
tränkt  die  Gewebe  mit  der  Lösung,  die  in  jede  Faser
eindringt,  und  lässt  den  blauen,  ganz  unlöslichen  Farbstoff ­
  durch  Oxydation  an  der  Luft  entstehen.  Dieser 1
haftet  daher  nicht  auf,  sondern  in  der  Faser  und  besitzt
grosse  Widerstandsfähigkeit.  Man  hat  deshalb  versucht,
den  Indigo  in  andere  Küpenfarbstoffe  umzuwandeln  und
fand  ebenso  schöne  und  echte  Farben,  röterer  oder
grünerer  Schattierungen,  in  seinen  Chlor-  und  Bromderivaten.*) ­

Bei  diesen  Untersuchungen  ist  die  merkwürdige  Entdeckung ­
  gemacht  worden,  dass  man  in  einem  künstlich
hergestellten  Dibromindigo  den  Purpur  der  Alten  erkannte. ­
  Dieser  von  den  Phöniziern  aus  der  Purpurschnecke ­
  des  Mittelmeers  gewonnene  kostbare  Farbstoff ­
  war  im  Laufe  der  Zeit  vergessen  worden.  Man
kannte  nicht  einmal  seine  wirkliche  Farbe,  bis  Pa;ul
Friedländer  in  Darmstadt  im  Jahre  1909  den  antiken
Purpur  zum  Gegenstände  einer  interessanten  Untersuchung ­
  machte.  Aus  12  000  Schnecken  der  Art  Murex
brandaris,  die  am  besten  mit  der  von  Plinius  beschriebenen ­
  Purpurea  übereinstimmt,  wurden  die  Farbdrüsen
herauspräpariert,  durch  kurzes  Belichten  an  der  Sonne
der  Farbstoff  entwickelt,  durch  Lösungsmittel  extrahiert
und  aus  Chinolin  umkrystallisiert.  So  gewann  er  andert-*)
  Bis  zum  Jahre  1907  wurden  in  Deutschland  316  mit  dem
Indigo  im  Zusammenhang  stehende  Patente  genommen.  Die  ersten
Patente  Baeyers,  No.  11857  und  11858  zur  Darstellung  von  Indigo
aus  Orthonitrozimtsäure  wurden  im  März  1880  eingereicht.

Antiker
Purpur
            
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