Full text: Deutschlands chemische Industrie

reride Mittel eingeführt wurde. Das phosphorhaltige 
Lezithin und das Myelin, als wichtige Stoffe der Gehirn 
substanz, der die Blutgerinnung aufhebende Bestandteil 
des Blutegels, zahlreiche Verdauungsfermente und Pan 
kreaspräparate wurden der Heilkunde zur Verfügung 
gestellt. Endlich gewann man durch künstliche Ver 
dauung von Fleisch zahlreiche hauptsächlich aus Amino 
säuren bestehende Präparate, wie das Erepton von 
Abderhalden, die als Nährmittel dienen in Fällen, wo 
die Verdauungstätigkeit versagt. 
Bakteriologie Neue Bahnen aber mussten eingeschlagen werden, 
als es galt, die furchtbarsten Feinde der Menschheit, zu 
treffen, die unsichtbaren pathogenen Mikroorganismen, 
die Erreger von Tuberkulose, Cholera und anderen an 
steckenden Seuchen. Hier war es wieder die Farben 
chemie, die dem Forscher als Scheinwerfer diente bei 
dem Eindringen in völlig dunkle Gebiete.*) Die schon 
lange als Ursache der Epidemien vermuteten kleinsten 
Lebewesen konnten so lange nicht erkannt und ihre 
Lebensbedingungen nicht erforscht werden, als sie sich 
in ihrer Farblosigkeit von dem Gemisch physiologischer 
Stoffe unter dem 1 Mikroskop nicht abhoben. Da zeigte 
Karl Weigert in Leipzig 1871, dass viele Mikro 
organismen sichtbar werden, wenn man die Präparate 
mit bestimmten Farbstofflösungen anfärbt und mit Al 
kohol auswäscht. Es fand sich, dass die Bakterien, wie 
die Seidenfäden, den Farbstoff festhaLten und intensiv ge 
färbt auf hellem Grunde hervortreten. In der Hand von 
Robert Koch führte diese Methode bekanntlich zur 
Entdeckung, Züchtung und Erforschung des Erregers 
der Tuberkulose. Bald folgten die Erreger von Milz- 
*) A. Binz. Die Mission der Teerfarben-Industrie. Berlin 1912.
	        
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