Full text : Deutschlands chemische Industrie

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Kassiaöl,  im  Napholäther  das  Neroliöl  und  im  Anthranilsäureester ­
  den  Duft  der  Orangenblüten.  1890  wurde
durch  Bauer  ein  Ersatz  für  den  Moschus:  aufgefunden,
der  zwar  denselben  durchdringenden  Geruch  besitzt,
aber  mit  dem  echten  Moschus  des:  Bisamtiers  nicht
identisch  ist.  Allein  mit  der  Auffindung  einzelner  Synthesen ­
  war  das  Problem  noch  nicht  erschöpft.  Viele
Pflanzendüfte  verdanken  ihre  Schönheit  einer  bestimmten ­
  Mischung  einzelner  Riechstoffe.  So  hat  man:
beispielsweise  im  Zitronenöl  15  Stoffe,  wie  Limonen,
Pinen,  Phellandren,  Camphen,  Citral,  Citronellal,  Oktylaldehyd,
  Nonylaldehyd,  Geraniol,  Linalool,  Terpinol
u.  a.,  bestimmt  erkannt  und  auch  die  schwierige  Aufgabe ­
  gelöst;  aus  dem  Rosenöl  18  verschiedene  Individuen
zu  isolieren  und  aus  diesen  auf  andere  Weise  gewonnenen ­
  Stoffen  wiederum  künstliches  Rosenöl  auf  synthetischem ­
  Wege  herzustellen.*)  Es  gelang,  in  Riechfläschchen ­
  von  100  g  Inhalt  den  Duft  von  500  kg  Rosen
oder  von  1000  kg  Veilchenblüten  oder  von  3  Millionen
Stück  Maiblumen  einzufangen.  1  kg  Vanillin  kostete
früher  1000  Mark,  das  Cumarin  500  Mark  und  das  Heliotropin ­
  3000  Mark.  Sie  werden  jetzt  für  30,  25  und
10  Mark  das  kg  verkauft.  Gleichwohl  schätzt  A.  Hesse**)
den  heutigen  Produktionswert  der  deutschen  Industrie
der  ätherischen  Oele  und  künstlichen  Riechstoffe  auf
40—50  Millionen  Mark.***)
*)  In  ähnlicher  Weise  hat  man  durch  künstliche  Gemische
das  Jasminöl,  das  Flieder-,  Akazien-,  Maiglöckchen-,  Resedaöl  usw.
in  sehr  vollkommener  Weise  nachgeahmt.
**)  A.  Hesse.  Bilder  aus  der  Riechstoff-Industrie,  Ztschr.  ang.
Chemie  1912.  25,  337.
***)  Die  Ausfuhr  von  künstlichen  Riechstoffen  betrug  1908
280  000  kg,  1912  574  800  kg.  Chem.  Ind.  1913.  Protokoll  der
Hauptversammlung,  S.  67.
            
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