Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

§  8.  Der  Seeverkehr.

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mehr  als  einer  Million  Registertonnen  haben,  so  kamen  um  1910  auf
einen  jeden  von  ihnen  in  Großbritannien  und  Irland  nicht  mehr  als
16500  qkm  des  Staatsgebietes,  also  nur  ein  Zehntel  mehr  als  die  Fläche
des  Königreichs  Sachsen.  In  Deutschland  umfaßte  das  Versorgungsgebiet ­
  eines  jeden  von  diesen  größeren  Häfen  schon  135  000  qkm,
in  den  Vereinigten  Staaten  1100000  qkm.  Auch  diese  Zahlen  geben
ein  ganz  gutes  Bild  von  der  Bedeutung  der  Verkehrsentwicklung  zur
See  in  verschiedenen  Erdgebieten.  Die  hier  und  im  letzten  Beispiel
gegebenen  Zahlenbeziehungen  illustrieren  das  Zahlenverhältnis  eines
Landes  zur  See  am  besten  im  Verein  mit  einem  lediglich  dem  Raume
entnommenen  Maßstabe,  der  in  der  Erdkunde  schon  lange  zur  Anwendung ­
  kommt,  nämlich  mit  der  Entfernung  der  einzelnen  Landschaften ­
  bzw.  bestimmter  Flächenanteile  von  der  Küste.  Wenn  wir
die  Tatsache,  daß  in  Großbritannien  und  Irland  kein  Punkt  weiter
als  120  km  von  der  See  oder  ihren  tief  in  die  Inseln  einschneidenden
Buchten  entfernt  ist,  neben  die  hier  gegebenen  Einzelheiten  über  die
Hafenverteilung  stellen,  so  dürfte  damit  ein  Bild  der  räumlich  zu  beurteilenden ­
  Eigenart  dieses  Landes  gegeben  sein,  das  an  Deutlichkeit
wenig  zu  wünschen  übrig  läßt.
Aber  auch  die  beweglichen  Größen  der  Bevölkerung  und  der  auf
See  verwendeten  Verkehrsmittel  lassen  sich  zur  Verdeutlichung  aller
verkehrsgeographischen  Beziehungen  zwischen  Land  bzw.  Sonderlandschaft ­
  und  dem  Weltmeere  oder  einem  seiner  Teile  nach  strengen
Einheitsmaßen  verarbeiten.  Nur  muß  auch  in  diesem  Falle,  wo  dies
irgend  angängig  ist,  eine  feste  Beziehung  zwischen  der  beweglichen
Größe,  die  zur  Beurteilung  herangezogen  werden  soll,  und  dem  Raume
als  Maßstab  benutzt  werden,  wie  wir  dies  bei  Behandlung  der  Eisenbahn ­
  hinsichtlich  der  Bevölkerung  bestimmter  Stadtgrößen  an  den  zu
vergleichenden  Verkehrslinien  getan  haben.
Beispiel:  So  kann  man,  um  das  Interesse  eines  Landes  an  dem  Verkehr  zur
See  zu  beurteilen,  den  Anteil  der  Seestädte  an  seiner  Bevölkerung  heranzuziehen.
Führen  wir  dies  etwa  für  Deutschland  und  Großbritannien  und  Irland  aus,  und  benutzen ­
  wir  der  Einfachheit  halber  nur  die  Bevölkerungsstatistik  der  Großstädte  von
der  letzten  Zählung.  Wir  ersehen  aus  dieser,  daß  in  Deutschland  in  den  Orten  mit
mehr  als  hunderttausend  Einwohnern  im  Jahre  1910  etwas  mehr  als  13  800000
Menschen  gezählt  wurden.  Von  dieser  recht  beträchtlichen  Zahl  lebten  in  Hafenstädten ­
  2  215  000.  In  Großbritannien  gab  es  im  Jahre  1911  17V 2  Mill.  Großstädter,
aber  von  diesen  waren  genau  drei  Viertel  Bewohner  von  Hafenorten.  Nun  wird
selbst  der  bewußte  Gegner  der  neuzeitigen  Großstadtentwicklung  nicht  bestreiten
wollen,  daß  diese  immerhin  ein  Zeichen  der  Richtung  ist,  in  der  die  Interessen  der
wirtschaftlich  maßgebenden  Kreise  bei  den  heutigen  Industrie-  und  Handelsvölkern
liegen.  Aus  der  hier  als  Beispiel  angeführten  Nebeneinanderstellung  ergibt  sich  aber
ohne  weiteres,  um  wieviel  enger  das  durch  die  Großsiedelungen  vermittelte  Wirtschafts- ­
  und  Verkehrsleben  des  Inselreiches  mit  der  See  verknüpft  ist  als  bei  uns,
denn  den  rund  75  vom  Hundert  der  britischen  Großstädter  an  der  Meeresküste
stehen  im  Deutschen  Reiche  nur  16  vom  Hundert  gegenüber.
Wie  wir  hier  die  Siedelungen  als  Maßstab  benutzten,  so  können
wir  bei  Verarbeitung  der  Flottengrößen  das  ganze  Volk  als  eine
große  Siedelung  auffassen,  wenn  es  sich  um  den  Vergleich  verschiedener ­
  Länder  untereinander  handelt.  Ein  Beispiel  für  diese  Art
der  Benutzung  der  Flottenstatistik  ist  im  ersten  Abschnitt  gegeben
worden,  auf  das  hiermit  verwiesen  werden  mag.
Aber  auch  in  anderer  Weise  können  wir  uns  der  Statistik  der
Verkehrsmittel  bedienen,  um  geographische  Einflüsse  zu  erkennen.
Wie  sehr  der  außereuropäische  Verkehr  die  ursprünglichen  Handels-
            
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