Full text : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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III.  Abschnitt.

infolgedessen  erst  gegen  4  Uhr  10  Minuten  in  Halle  an,  d.  h.  wie  der  Stromdampfer
bei  der  Bergfahrt  erst  nach  einer  bedeutend  verlängerten  Zeit,  da  es  seine  Maschinen
nicht  mehr  austrengen  soll  als  auf  der  Herfahrt.
So  weit  entspricht  also  die  Fahrt  des  Luftschiffes  durchaus  derjenigen  eines
stromab  und  stromauf  verkehrenden  Dampfschiffes,  und  es  wäre  nichts  gegen  seine
Benutzung  für  den  Keiseverkehr  einzuwenden,  soweit  dieser  nicht  der  Befriedigung
eines  Luxusbedürfnises,  sondern  etwa  der  Abwicklung  von  Geschäften  und  anderen
Notwendigkeiten  des  neuzeitigen  Lebens  dient.  Diese  Art  von  Verkehr  muß  aber
mit  der  Innehaltung  der  größten  Pünktlichkeit  der  Abfahrt-  und  Ankunftszeiten
rechnen.  Diese  hängt  wieder  davon  ab,  daß  die  Eigenbewegung  des  Mediums,  durch
das  wir  befördert  werden,  entweder,  wie  bei  dem  Festlande,  ganz  fehlt  oder,  wie
beim  Wasser,  wo  sie  wenigstens  ihre  Bichtung  beibehält,  auch  in  der  Geschwindigkeit
keinen  sehr  großen  Aenderungen  unterworfen  ist.  Wo  dagegen,  wie  bei  der  Luft,
beides  für  längere  Zeit  völlig  unberechenbar  ist,  kann  das  Luftschiff  niemals  für  eine
pünktliche  Ankunft  Gewähr  leisten.  Damit  dürfte  es  trotz  seiner  unter  Umständen ­
  viel  schnelleren  Fahrten  ein  eigentliches  Verkehrsmittel  in  denjenigen
Ländern  niemals  werden,  in  denen  infoge  ihrer  klimatischen  Eigenart  Windrichtung
und  Geschwindigkeit  einem  häufigen  und  starken  Wechsel  unterworfen  sind.
Die  in  diesem  Wechsel  beruhenden  Unzuträglichkeiten  bei  der
Verwendung  des  Luftschiffes  zur  Beförderung  von  Menschen  —  für
den  Gütertransport  kann  es  aus  anderen  Gründen,  allenfalls  von
Postsachen  abgesehen,  nicht  in  Frage  kommen  —  sind  nun  aber  nicht
in  allen  Erdgegenden  von  gleicher  Bedeutung.  In  ausgedehnten  Gebieten, ­
  ja  in  ganzen  Zonen,  sind  die  Luftströmungen  weder  in  ihrer
Richtung  noch  in  ihrer  Stärke  dem  gleichen  Wechsel  untworfen  wie
im  mittleren  und  nördlichen  Europa.  In  diesen,  zu  denen  namentlich
die  von  den  Passaten  überwehten  Zonen  der  Nord-  und  Südhalbkugel
gehören,  kann  schon  mit  größerem  Recht  als  bei  uns  von  der  Möglichkeit ­
  eines  wirklichen  Luftschiffverkehrs  gesprochen  werden.  Indessen ­
  gibt  es  wieder  andere  Hemmnisse,  die  technisch  wohl  überwunden ­
  werden  können,  die  aber  doch  wieder  als  eine  Erschwerung
gelten  müssen.  Dies  sind  einmal  der  niedrige  Luftdruck  in  den
großen  Höhen  außereuropäischer  Gebiete,  so  z.  B.  in  den  durch  recht
gleichmäßige  Windrichtungen  und  Stärkegrade  ausgezeichneten  Gebieten ­
  des  südlichen  Afrika  oder  gar  in  den  Hochgebieten  Innerasiens ­
  und  im  westlichen  Nordamerika.  In  der  Passatzone  kommt
wieder  vor  allem  die  im  Laufe  von  24  Stunden  oft  sehr  stark
wechselnde  Tagestemperatur,  sowie  die  ungeheure  Strahlung  in  den
äquatornahen  und  zugleich  trocknen  Steppen-  und  Wüstenregionen
dieser  Zone  hinzu.  Alles  Hindernisse  rein  geographischer  Natur,  die
die  Bildung  eines  klaren  Urteils  über  die  regelmäßige  Verwendung
des  Luftschiffes  im  Dienste  des  Verkehrs  noch  nicht  zulassen.
Endlich  ist  noch  eines  weiteren  Hindernisses  zu  gedenken,  das
die  Eisenbahn  und  das  Schiff  unmittelbar  überhaupt  nicht  beeinflussen
kann,  das  aber  dem  Luftschiff  an  und  für  sich  lästig  wird.  Der
Regen,  der  schon  bei  uns  die  Fahrt  eines  solchen  erschweren  kann,
ist  es,  der  wieder  in  der  Tropenzone  als  wenig  förderliche  Eigenart
des  Klimas  gelten  muß,  wenn  es  sich  um  die  Verwendung  so  großer
Fahrzeuge  handelt,  wie  wir  sie  beispielsweise  in  den  modernen  Luftkreuzern ­
  vor  uns  haben.
Wie  an  den  Küsten  die  Landungsverhältnisse,  so  bedürfen  auch
die  verschiedenen  Erdgegenden  sorgfältiger  Untersuchungen  und  der
Festsetzungen  derjenigen  Stellen,  die  für  die  Landung  in  erster  Linie
in  Betracht  kommen.  Damit  ergibt  sich  ein  weites  und  fruchtbares
Arbeitsfeld  für  die  Verkehrsgeographie  auch  aus  der  Entwicklung  der
Luftschiffahrt,  selbst  wenn  die  Wünsche  vieler,  ein  neues  Verkehrs-
            
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