Full text: Die deutsche Zigarettenindustrie

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Die mit Motorkraft arbeitenden Großbetriebe haben, wie man 
aus obiger Tabelle ersehen kann, im Laufe der Jahre eine aus 
schlaggebende Bedeutung gewonnen. Die Tendenz zur Vergrößerung 
der Betriebe kommt auch in der Vergrößerung der durchschnittlich 
auf einen Betrieb entfallenden Personenzahl zum Ausdruck. 
Während im Jahre 1887 im Durchschnitt auf einen Betrieb 29 
Arbeitskräfte entfielen, kamen deren im Jahre 1900 auf jeden Betrieb 
durchschnittlich 31. Die Gesamtarbeiterzahl hat sich innerhalb ge 
nannter Jahre um mehr als das Dreifache vergrößert. Ein zeit 
weiliger Rückgang der Gesamtarbeiterzahl ist überhaupt nur in den 
ersten der hier angeführten Jahre zu verzeichnen gewesen; er findet 
seine einfache Erklärung darin, daß in diesen Jahren infolge ver 
mehrter Einstellung leistungsfähiger Maschinen bez. Neueinstellung 
solcher in früher motorlose Betriebe jeweilig ein Teil der Arbeiter 
schaft entbehrlich gemacht worden ist. 
Alles zusammenfassend kann man sagen, daß sich das letzte 
Jahrzehnt des alten Jahrhunderts für die Zigaretten-Industrie zu 
einem Jahrzehnt ungeahnten und ungestörten Aufschwungs gestaltet 
hat; dieser sollte auch im neuen Jahrhundert noch andauern, das 
freilich der Zigarettenindustrie auch gleich in seinen ersten Jahren 
schwere Beunruhigungen brachte. Die erste Ursache zu einer 
solchen bildete das Auftreten des amerikanischen Tabaktrusts in 
Deutschland. 
C. Das Auftreten des amerikanischen Tabaktrusts 
in Deutschland. *) 
Bevor wir zur Betrachtung der Tätigkeit des Trusts in Deutsch 
land übergehen, seien erst einige Bemerkungen über seine Ent 
wicklung und Arbeitsweise vorausgeschickt. 
a) Die Entwicklung und Arbeitsweise des Trusts. 
In Amerika, dem Heimatlande der Trusts, entstand auch der 
erste Tabaktrust, American Tobacco Co. genannt, der unter der 
geschickten Leitung seines Begründers, Mr. Duke, bald eine hervor 
ragende Stellung in der amerikanischen Tabakindustrie zu gewinnen 
vermochte. Die American Tobacco Co. befaßte sich anfangs nur 
mit der Herstellung von Zigaretten, da dieser Zweig der Tabak 
fabrikation, der im weitesten Maße die Verwendung von Maschinen 
zuläßt, für die kapitalistische Betriebsweise besonders geeignet ist. 
1) Als Quellen haben gedient: Artikel in den Fachzeitungen, vornehmlich den 
„Vereinigten Tabakzeitungen", Handelskammerberichte sowie mündliche und schrift- 
iche Mitteilungen aus den beteiligten Kreisen.
	        
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