Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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Letztere  Bemerkung  ist  heute  nicht  mehr  ganz  zutreffend,  da
man  seit  Einführung  der  Banderolensteuer  auch  in  Berlin,  um  Lohnersparnisse ­
  zu  erzielen,  in  größerem  Umfange  zur  Maschinenverwendung ­
  übergegangen  ist.
Der  Anteil  Brandenburgs  an  der  deutschen  Gesamtproduktion,
der  mit  dem  Berlins  so  ziemlich  gleich  zu  setzen  ist,  da  sich  die
Zigarettenfabrikation  außer  in  Groß-Berlin  in  Brandenburg  nicht
weiter  in  nennenswertem  Umfang  findet,  belief  sich  im  Steuerjahre
1907/8  auf  12,5  Prozent  der  Menge  und  15  Prozent  dem  Werte  nach  *).
Unter  den  weiter  oben  genannten,  bedeutenderen  Sitzen  der
deutschen  Zigarettenindustrie  nehmen  die  ostdeutschen  Städte
Breslau,  Posen,  Königsberg  und  Danzig  den  nächsten  Rang
ein;  die  Bedeutung  genannter  Orte  für  die  Zigarettenindustrie  ist
hauptsächlich  dem  Umstande  zuzuschreiben,  daß  die  Bevölkerung
jener  Gegenden  zu  einem  großen  Teile  aus  Slaven  besteht,  die  bekanntlich ­
  besondere  Liebhaber  von  Zigaretten  sind.  In  diesen
östlichen  Provinzen  (Ost-,  Westpreußen,  Posen,  Schlesien)  wurden
im  Steuerjahre  1907/08  insgesamt  14  Prozent  der  deutschen  Gesamtproduktion ­
  (dem  Quantum  nach)  hergestellt.
Hamburg  hat  hauptsächlich  deshalb  größere  Bedeutung  für
die  Zigarettenindustrie  erlangt,  weil  es  Umschlagsplatz  für  einen
großen  Teil  des  nach  Deutschland  importierten  Rohtabaks  ist.  Zu
Anfang  des  Jahres  1909  waren  daselbst  etwa  350  Arbeiter  und
Arbeiterinnen  in  der  Zigarettenindustrie  tätig.
Erwähnt  sei  auch,  daß  den  berühmten  Badeorten  Baden-Baden
  und  Wiesbaden  hauptsächlich  der  große  Zustrom  eines
äußerst  konsumtionsfähigen  Publikums  zu  einer  ansehnlichen
Zigarettenindustrie  verholfen  hat.
Wie  sich  aus  den  Angaben  obiger  Tabelle  schließlich  noch
ergibt,  beschäftigt  eine  größere  Anzahl  von  Betrieben  auch  Heimarbeiter ­
 2 ).  Gerade  in  der  letzten  Zeit  hat  die  Sitte,  Arbeit  außer
Haus  zu  geben,  immer  mehr  zugenommen,  da  die  Fabrikanten
bestrebt  waren,  die  ihnen  durch  die  Banderole,  erhöhte  Tabakpreise
usw.  entstandenen  Mehrkosten  durch  Ersparnisse  an  Lohn  (solche
bringt  die  Heimarbeit)  wieder  herauszuschlagen. 3 )

1)  Die  Zahlen  sind  berechnet  auf  Grund  der  in  den  „Vierteljahrsheften“
(Jahrgang  1908,  Heft  III)  veröffentlichten  Steuernachweise.
.2)  Die  Heimarbeiter  werden  mit  dem  Wickeln  der  Zigaretten  beschäftigt.
S)  Gegenüber  29,5  Prozent  im  Steuerjahre  1906/7  beschäftigten  im  Steuerjahre ­
  1907/8  31  Prozent  aller  Betriebe  Heimarbeiter.  Damit  scheint  aber  auch  der
            
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