86
Erstes Buch. Adam Smith.
Kapitals und die Rente des Bodens zu zahlen, die zu ihrer Erzeugung
beigetragen haben.
Außer der Arbeit findet Smith so einen neuen „Bestimmungsgrund“
für den Wert, und wenn sich die Sozialisten um seine erste Hypothese
geschart haben, so hat die große Mehrzahl der Nationalökonomen bis
auf Jevons die zweite aufgenommen. Er selbst hat niemals den Mut
gehabt, sich offen für eine zu erklären; in seiner Darstellung bestehen sie
nebeneinander, und er kann sich nicht entschließen, eine davon preis
zugeben. Es ergeben sich daraus in seinem Werke zahlreiche Widersprüche,
und jedes Bemühen, sie in Übereinstimmung zu bringen, würde vergeblich
sein. Bald z. B. werden das Kapital und der Grund und Boden als Quellen
neuer Werte angegeben, die sich denen, die die Arbeit schafft, anreihen,
und die in normaler Weise einen Profit und eine Rente hervorbringen,
die mit dem Lohne zur Bestimmung der Produktionskosten dienen,
bald werden der Profit und die Rente von ihm als Abzüge angesehen, um
die die Kapitalisten und die Grundbesitzer die von der Arbeit allein ge
schaffenen Werte vermindern 1 ). Man glaubt hier einen Sozialisten zu
x ) Völkerreichtum I, S. 28, B. I, Kap. VI. Im folgenden finden wir z. B. eine
Stelle, die, wie v. Böhm-Bawbbk sehr richtig hervorhebt (Kapital und Kapitalzins,
2. Ausg., 1900, S. 84), beide Begriffe in Gegenüberstellung ohne jeden Versuch, sie in
Übereinstimmung zu bringen, enthält: ,,Unter diesen Umständen (wenn nämlich die
Aneignung des Kapitals und des Bodens eine vollzogene Tatsache geworden ist) gehört
nicht immer das ganze Produkt der Arbeit dem Arbeiter. Er muß es in den meisten
Fällen mit dem Kapitalisten teilen, der ihn beschäftigt. Auch ist es die zur Erwerbung
oder Hervorbringung einer Ware gewöhnlich erforderliche Arbeitsquantität nicht
mehr allein, wodurch die Quantität, welche dafür gewöhnlich zu haben sein sollte, be
stimmt wird; denn es ist klar, daß noch eine besondere Quantität als Gewinn für das
ausgegebene Kapital hinzukommen muß, das zur Bezahlung des Arbeitslohnes und
zur Beschaffung der Materialien.“ — Am Anfang der angezogenen Stelle muß der
Arbeiter den Arbeitsertrag teilen; der Profit wird daher von dem durch die Arbeit
geschaffenen Wert genommen. Am Ende des Satzes beruht der Profit aber auf einem
Zusatzwert, der über den von der Arbeit geschaffenen hinausgeht. Böhm-BawebK
zitiert noch andere Stellen, in denen die beiden Begriffe sich unvereinbar gegenüber
stehen. Hin und wieder kann man Smith daher die Auffassung zuschieben, daß er unter
Zins und Bodenrente das Ergebnis einer Beraubung des Arbeiters sehe; damit wäre
er der wirkliche Vorfahr des Sozialismus. Mehr als eine Stelle seines Buches kann
übrigens zu diesem Schluß führen. So sagt er: ,,In anderen Ländern (als in den Ko
lonien) zehren die Rente und der Kapitalgewinn den Arbeitslohn auf, und die beiden
höheren Stände des Volkes unterdrücken den niederen“ (II, S. 86, B. IV, Kap. VIf»
Teil 2). Und hinsichtlich des Eigentums: „Die bürgerliche Regierung ist, insofern sie
zur Sicherung des Eigentums eingeführt ward, in der Tat zur Verteidigung des Reiche 11
gegen den Armen, oder dessen, der ein Eigentum hat, gegen den,, der keins hat, ei fl '
geführt worden“ (II, S. 175, B. V, Kap. I, Teil 2).
Bekannt ist auch die’ oft erwähnte Stelle des VI. Kap. „Sobald aller Grün
und Boden eines Landes Privateigentum geworden ist, begehren die Grundbesitzer,
gleich allen anderen Menschen, „zu ernten, wo sie nicht gesät haben“, und verlange 11
sogar für ihre natürlichen Produkte eine Rente“ . . . „Er (der Arbeiter) muß nn n
für die Erlaubnis, sie zu sammeln, bezahlen und an den Grundbesitzer einen Teil des-