Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Aus  diesem  Grunde  sind  die  Banknoten  —  deren  Verwendung  die  des
Bargeldes  im  gleichen  Maßstabe  vermindert  —  eine  so  wertvolle  Erfindung,
denn  sie  setzen  eine  gewisse  Menge  Gold  und  Silber  frei,  die  ausgeführt
werden  kann,  und  gestatten  so  die  Erwerbung  von  Arbeitsinstrumenten,
die  ihrerseits  wieder  ein  Anwachsen  des  wirklichen  Nettoeinkommens
eines  Landes  ermöglichen.  Der  Vergleich,  durch  den  Smith  diesen  Vorteil
erklärt,  ist  berühmt.  „Das  Gold-  und  Silbergeld,  welches  in  einem  Lande
umläuft,  kann  sehr  wohl  mit  einer  Landstraße  verglichen  werden,  die,
während  sie  alles  Korn  und  alle  Eutterkräuter  des  Landes  im  Umlauf
und  auf  den  Markt  bringt,  selbst  doch  gar  keinen  solchen  Stoff  produziert.
Indem  nun  kluge  Bankoperationen  eine  Art  von  Fuhrweg  durch  die  Luft
schaffen,  wenn  ich  eine  so  kühne  Metapher  gebrauchen  darf,  setzen"sie
das  Land  in  den  Stand,  gleichsam  einen  großen  Teil  seiner  Landstraßen
in  gute  Weide-  und  Kornfelder  zu  verwandeln  und  dadurch  das  jährliche
Produkt  des  Bodens  und  der  Arbeit  beträchtlich  zu  vermehren“ *  1 ).
Hieraus  ergibt  sich,  daß  jede  Politik,  die  sich  (wie  es  der  Merkantilismus ­
  tat)  vornimmt,  mittelbar  oder  unmittelbar  die  Geldmenge  eines
Landes  zu  vergrößern,  verkehrt  ist,  da  das  Geld  nicht  nur  nicht  unentbehrlich, ­
  sondern  im  Gegenteil  lästig  ist.
Und  zwar  ist  diese  Politik  nicht  nur  verkehrt,  sondern  auch  nutzlos.
Denn:  haben  wir  nicht  gesehen,  daß  das  Geld  eine  Ware  vorstellt,  die
bestimmt  ist,  den  Umlauf  zu  erleichtern,  und  für  die  natürlich  für  diesen
Zweck  eine  bestimmte  Nachfrage  vorhanden  ist  ?  Das  Angebot  einer  Ware
paßt  sich  nun  von  selbst  ihrer  Nachfrage  an.  Niemand  gibt  sich  damit
ab,  die  Versorgung  eines  Volkes  mit  Wein  oder  Tonwaren  sicherzustellen 2 ).
Warum  sollte  man  sich  um  das  Geld  mehr  Sorgen  machen?  Wenn  die
Menge  der  Güter  abnimmt,  so  verlangsamt  sich  der  Güteraustausch,  und
ein  Teil  des  Geldes  wird  überflüssig.  Aber  „das  Interesse  jedes  Geldbesitzers ­
  fordert,  daß  er  es  anlege 3 )“.  Daher  wird  es  ausgeführt,  um  im
Auslande  Verbrauchsgegenstände  oder  Arbeitsinstrumente  zu  erwerben.
Umgekehrt  zieht  der  wachsende  Wohlstand  eines  Landes  mit  Notwendig'
keit  die  Edelmetalle  an,  weil  der  sich  vergrößernde  Güterau.  tausch  großem
Barmittel  verlangt.  Dieser  Export  und  Import  von  Bargeld  geschieht
auf  Grund  des  Steigens  und  Fallens  des  Geldwertes,  wie  Hume  schon
nachgewiesen  hatte 4 ).
Irving  Fisher:  The  Nature  of  Capital  and  Income,  New  York  1907,  klar
herausgearbeitet.  Das  Einkommen  wird  hier  vollständig  des  materiellen  Charakters,
den  es  bei  Smith  noch  hat,  entkleidet,  um  einfach  als  ein  beständiger  Strom  von
Diensten  zu  erscheinen,  während  die  Gesamtheit  des  Kapitals  mit  der  im  Augenblick ­
  der  Dauer  bestehenden  Gesamtmenge  der  Güter,  aus  der  diese  Dienste  fließen,
verschmilzt.
1 )  Völkerreichtum  I,  S.  188,  B.  II,  Kap.  II.
2 )  Völkerreichtum  II,  S.  4  und  6,  B.  IV,  Kap.  I.
3 )  Völkerreichtum  I,  S.  200,  B.  II,  Kap.  III.
4 )  de  Darlegung  der  „quantitativen  Theorie“  des  Geldes,  wie  sie  Hume  in  seinen
            
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