Kapitel II. Adam Smith.
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Das, was vom Metallgeld gilt, gilt auch für jene besondere Art des
Geldes, die Banknoten. Smith hat eine klassische Beschreibung des Bankbetriebes
und im besonderen der damals berühmtesten Bank, der Bank
von Amsterdam, gegeben. Auch dort konstatiert er eine selbsttätige
Anpassung der Notenmenge an die Nachfrage. Denn wenn die Banken
mehr ausgeben, als der Umlauf verlangt, so steigen die Preise. Man kauft
im Ausland und bringt den Banken die Noten bald zurück, um sie in Gold
Und Silber, das einzige internationale Geld, umzuwechseln. So haben
die Banken keinen Vorteil davon, zuviel Noten auszugeben, weil sie dann
gezwungen sind, eine entsprechend größere Metallreserve zu halten. Zweifellos
verstand sich in der Wirklichkeit „eben nicht jede Bankgesellschaft
immer auf ihren eigenen Vorteil, und der Umlauf wurde oft mit Papiergeld
überfüllt 1 )“. Aber das Prinzip wird dadurch nicht berührt. Das
stellt nach ihm einen weiteren Beweis für das selbsttätige Arbeiten des
'wirtschaftlichen Mechanismus dar.
Wir haben so die hauptsächlichsten Theorien A. Smith’s durchmustert
und haben gesehen, wie jede bedeutende Tatsache bei ihm den gleichen
Gedanken auslöst. Wenn der Platz es erlaubte, könnten wir noch weitere
Beispiele anführen, aus denen der gleiche Schluß sich ergeben würde 2 ).
Ger Gedanke der Selbstentstehung der wirtschaftlichen Einrichtungen
und Punktionen wird von Smith nicht a priori wie ein abstrakter, theore
tischer Grundsatz, dessen genaueste Beweisführung er nachher liefern
wird, aufgestellt. Er entwickelt sich nach und nach (und dies ist für seine
ganze Art und Weise charakteristisch) in dem Maße, wie er den Bereich
der Volkswirtschaft durchmißt; er tritt uns sozusagen bei jeder Biegung
des Weges entgegen. Stets deutet Smith von neuem darauf hin; langsam
zw ingt sich dem Geist des Lesers dieser Gedanke als der natürliche Schluß
aus allem, was vorhergeht, auf. Die gesamte wirtschaftliche Ordnung
erscheint ihm zuletzt wie eine organische Schöpfung tausender menschucher
Willen, die, unbewußt des zu erreichenden Zieles, alle dem Triebe
oiner gleichen, instinktiven, mächtigen Kraft gehorchen.
Was ist nun diese Kraft, die alle wirtschaftlichen Handlungen herv
°rruft, deren Beständigkeit und Gleichheit über alle künstliche Hindernden
Aufsätzen über „das Geld“ und in der „Handelsbilanz“ gibt, ist sogar viel eina
cher und klarer als die von Smith.
1 ) Völkerreich tum I, S. 176, B. II, Kap. II.
2 ) Der hohe Wechselkurs zielt zum Beispiel darauf hin, selbsttätig das Gleich-Scwicht
im Handel wieder herzustellen (Völkerreichtum H, S. 4, B. IV, Kap. I).
n anderer Stelle führt er aus, daß die großen Vorteile, die Europa aus seinen Kolonien
8®zogen habe, nicht zweckbewußt und beabsichtigt werden; das Suchen nach Kolonien,
hre Entdeckung, ihre In-Wertsetzung sind ohne jeden vorgefaßten Plan und trotz
verderblichen Verordnungen, die die europäischen Regierungen erließen, geschehen
UI, S. 99—100, B. IV, Kap. VII, Teil 2).