Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Vorwort  zur  ersten  Ausgabe.

IX

räumen,  die,  auch  wenn  sie  etwas  am  Außenrande  der  eigentlichen  Nationalökonomie ­
  stehen,  einen  großen  Einfluß  auf  den  Unterricht,  die  Gesetzgebung ­
  und  die  Ideenbewegung  ausgeübt  haben,  wie  der  christliche
Sozialismus,  der  Solidarismus  und  der  Anarchismus.  Wenn  wir  es  auch
für  vorteilhafter  gehalten  haben,  den  offiziell  für  diesen  Unterrichtszweig
anerkannten  Titel  beizubehalten,  so  würde  doch  der  Titel  dieses  Buches
besser  lauten:  „Geschichte  des  Ursprungs  und  der  Entwicklung  der
heutigen  volkswirtschaftlichen  Doktrinen.“

Der  Plan  einer  Geschichte  der  Doktrinen  bietet  rechte  Schwierigkeiten. ­
  Da  es  sich  um  geschichtliche  Darlegungen  handelt,  muß  man
selbstverständlich  ungefähr  der  chronologischen  Ordnung  folgen;  man
kann  aber  entweder  alle  Doktrinen  der  gleichen  Epochen  zusammengefaßt
darstellen  oder  sie  in  ebenso  viele  Einzelgeschichten  trennen,  wie  es  Schulen
gibt.  Der  erste  Weg  macht  es  nötig,  in  jedem  Kapitel  gleichzeitig  alle
Doktrinen  zu  behandeln  und  von  Neuem  aufzuführen,  wodurch  man  Gefahr
läuft,  dem  Leser  von  jeder  nur  ein  unbestimmtes  Bild  zu  hinterlassen.
Der  zweite  Weg  hat  den  Nachteil,  die  Gesamtgeschichte  in  Monographien
zu  zerstückeln,  und  gestattet  nicht,  die  notwendigen  Beziehungen,  die  in
jeder  Epoche  die  verwandten  und  sogar  die  gegnerischen  Lehren  verbinden, ­
  genügend  hervorzuheben.  Wir  haben  versucht,  diese  Nachteile
zu  vermeiden  und  die  Vorteile  der  beiden  Methoden  zu  vereinigen,  indem
wir  die  Lehren  nach  Familien  auf  Grund  des  Grades  ihrer  inneren  Verwandtschaft ­
  geordnet  haben,  und  indem  wir  sie  gemäß  der  historischen
Folge  ihres  Auftretens  zusammenfaßten.  Doch  haben  wir  sie  nicht  immer
nach  ihrem  Entstehungsdatum  klassifiziert,  sondern  nach  dem  ihrer
Reife.  In  der  Entwicklung  einer  Doktrin  gibt  es  stets  einen  Höhepunkt:
diese  Höhepunkte  haben  wir  uns  festzulegen  bemüht,  indem  wir  jedem
von  ihnen  ein  Sonderkapitel  widmeten.  Übrigens  haben  wir  uns  nicht
gescheut,  der  chronologischen  Ordnung  überall  dort  vorzugreifen,  wo  die
Klarheit  der  Darstellung  das  zu  fordern  schien.
1.  Epoche:  Ende  des  18.  und  Anfang  des  19.  Jahrhunderts.  Die
Begründer  der  klassischen  Volkswirtschaft:  zunächst  die  Physiokraten,
Adam  Smith  und  J.-B.  Say,  und  dann  die  Autoren,  die  durch  beunruhigende
Prophezeiungen  das  grandiose  Bild  der  natürlichen  Ordnung  verdüsterten:
Malthds  und  Ricardo.
2.  Epoche:  die  erste  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts.  Die  Gegner:
alle  diejenigen,  die  die  von  ihren  Vorgängern  aufgestellten  Prinzipien  angegriffen ­
  und  erschüttert  haben,  und  die  wir  in  fünf  Kapiteln  um  Sismondi,
Saint-Simon,  die  Assozialisten,  Proudhon  und  List  gruppiert  haben.
3.  Epoche:  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts.  Der  Höhepunkt  der
            
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