*) Trait6, 6. Ausg., S. 349.
Kapitel II. Adam Smith.
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gebrachten Dienste werden gegen Lohn, Zinsen oder Pacht getauscht.
Sie werden von den industriellen Unternehmern (Kaufleuten, Land
wirten, Fabrikanten) nachgefragt und zwar zweckmäßig in der Art, daß
die Nachfrage nach Produkten, die von dem Verbraucher ausgeht, befriedigt
Werden kann. „Die industriellen Unternehmer sind sozusagen nur die
Vermittler, die zu den für irgendein Produkt notwendigen produktiven
Diensten auffordern, und zwar im Verhältnis der Nachfrage nach diesem
Produkt“. So entsteht die Nachfrage nach produktiven Diensten, die
»eine der Grundlagen des Wertes dieser Dienste“ ist. — „Andererseits
bieten sich die Produktionskräfte, Menschen und Dinge, Grundstücke,
Kapitalien oder fleißige Leute in mehr oder weniger großer Menge auf
Grund verschiedener Beweggründe an . . . und bilden so die andere Basis
des Wertes, der sich für diese selben Dienste ergibt 1 ).“ Daher beherrscht
das Gesetz des Angebotes und der Nachfrage den Preis der Dienste,
d. h. die Höhe der Pacht, der Zinsen und des Lohnes, genau so, wie es
den Preis der erzeugten Güter beherrscht. Dank dem Unternehmer
verteilt sich der Wert der Produkte zwischen den „verschiedenen pro
duktiven Diensten“, und die verschiedenen Dienste verteilen sich je
nach dem Bedarf zwischen den Industrien. Die Theorie der Verteilung
fügt sich harmonisch der Theorie des Austausches und der Produktion an.
Dieses so einfache Schema der Güterverteilung stellte einen wirk
lichen Fortschritt dar. Zunächst ist es viel genauer als das der Physio-
kraten, wo die materiellen Produkte sich zwischen den Klassen und nicht
zwischen den Individuen austauschten. — Es gestattet weiterhin, die
Entlohnung des Kapitalisten von der des Unternehmers, den A. Smith
mit jenem zusammenwirft, zu trennen. Unter dem Vorwände, daß der
Enternehmer meistenteils ein Kapitalist ist, betrachtet der schottische
Nationalökonom, dem hierin fast alle englischen Schriftsteller folgen,
beide als einen Begriff und bezeichnet mit dem Worte „Profit“ den Ge
samtgewinn, ohne scharf zwischen den Zinsen der Kapitalien und dem
wirklichen Gewinne zu unterscheiden. Eine höchst bedauerliche Ver
wirrung, die noch lange auf der englischen Nationalökonomie lastete! •
Dann hatte die Theorie Say’s noch einen weiteren Vorzug: sie lieferte
seinen französischen Nachfolgern ein klares Schema der Güterverteilung,
bas bei Smith fehlte, und zwar gerade in dem Augenblick, in dem Ricardo
seinerseits diese Lücke durch seine neue Verteilungstheorie auszufüllen
suchte, nach fcer die Rente auf Grund ihrer Natur und ihrer Gesetze zu
ben anderen Einkommen in Gegensatz trat, und nach der der Lohn sich
immer umgekehrt wie der Profit verändert, derart, daß der eine nicht
steigen kann, ohne daß der andere sinkt. Eine verführerische, wenn
auch irrige Theorie, die die englischen Nationalökonomen in endlose