Kapitel II. Adam Smith.
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er die ganze Freihandelspolitik gründen zu können. Leider hieß das etwas
viel von einer Formel erwarten, deren Unbestimmtheit und Selbstver
ständlichkeit sie fast unbrauchbar machten.
Interessanter ist es, wie er die Theorie der Absatzwege auf die Über-
produktionskrisen anwandte, — werden damit doch die wahren Be-
^feFüngen~SlYT , voll ins Licht gestellt. Schon Garnier hatte eine
a llgemeine Stauung auf den Märkten als möglich vorausgesagt. In
dem Maße, wie die Krisen sich häuften, beschäftigte diese Sorge immer
^eitere wissenschaftliche Kreise. Nichts ist weniger logisch, sagt Say.
Las Gesamtangebot an Gütern und die Gesamtnachfrage nach Gütern
halten sich notwendigerweise die Wage, denn die Gesamtnachfrage ist
heiter nichts, als die Gesamtmenge der erzeugten .Güter. "Folglich ist
eine allgemeine Stauung ein Widersinn 1 ). Sie stellt einfach einen allge
meinen Überfluß an Gütern vor, „und Güter können den Völkern ebenso
wenig lästig fallen, wie Einzelpersonen“ 2 ). Der einzige, was möglich ist,
ist eine schlechte Leitung der Produktionsmittel, und folglich ein Über
fluß dieses oder jenes Produktes, mit anderen Worten, eine teilweise
Stauung 3 ). Der Gedanke Say’s besagt, daß man nie zu befürchten braucht,
v °n allen Gütern auf einmal zu viel zu produzieren, aber daß es sehr
Wohl möglich ist, von der einen oder der anderen Art im Einzelfall
z u viel zu erzeugen.
Diese richtigen Ideen hat Say auf oft paradoxe Formeln gebracht.
Leim Lesen gewisser Stellen seiner zweiten Ausgabe 4 ) hat man glauben
*) Trait6, 1. Ausg., II, S. 176.
*) Ebenda, S. 179.
3 ) Ebenda, S. 178.
4 ) „Ein Produktionszweig würde selten die anderen übersteigen, und Erzeugnisse
^ürden selten verschleudert werden, wenn allen stets ihre volle Freiheit gelassen würde -
Ausg , S. 143). Man hat seinen Ausspruch: „Gewisse Erzeugnisse sind überreichlich
Vorhanden, weil andere zu fehlen angefangen haben“ (Ebenda, S. 142), der
die Möglichkeit einer teilweisen Überproduktion zu verneinen scheint, zu viel
Bedeutung beigelegt. Er wird aber durch den Satz korrigiert, den er selbst, um jedes
"Unverständnis auszuschließen, als Anmerkung an den Fuß der folgenden Seite gesetzt
• , »Per Sinn dieses Kapitels ist nicht, daß man von einer bestimmten Ware
^Verhältnis zum Bedarf nicht zu viel erzeugen könne, sondern nur, daß die
mduktion einer Ware den Absatz einer anderen begünstigt.“ Und er ist sich selbst
’oherlich untreu geworden, wenn er in seinen Briefen an Malthus, um seinen Stand-
Pdakt zu verteidigen, auf ein schlechtes Wortspiel zurückgreift, indem er sagt, daß
Produzieren bedeute: „nachgefragte Gegenstände produzieren“ und alles, was über
T 3e „Nachfrage“ hinausgehe, sei nicht mehr Produktion, und folglich noch weniger
„Überproduktion“ (S. 462) Vgl die Antwort Malthus’ (S. 508) und die Erwiderung
, v’s, ; n der er seine Idee bestätigt (S. 613). Viel näher seinem wirklichen Gedanken,
■p auch viel wahrer, ist seine Antwort auf einen Aufsatz Sismondi’s, die 1824 in der
r~ ev ue encyclopedique unter der Überschrift: „Sur la balance des consommations
av ec ies productions“ (Über das Gleichgewicht zwischen Verbrauch und Produktion)
veröffentlicht wurde. (Euvres diverses, S. 250ff. — Seine Ausdrücke ändern sich