Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

I.
Malthus.
Obgleich  Malthus 1  *  3 )  fast  nur  durch  sein  Bevölkerungsgesetz  bekannt ­
  ist,  wäre  er  auch  ohne  dies  ein  Nationalökonom  hohen  Ranges
gewesen,  und  zwar  dank  seiner  großen  Abhandlung  über  Nationalökonomie ­
  und  mehreren  anderen  bemerkenswerten  Schriften.  Wir
verschieben  aber  eine  Besprechung  seiner  anderen  Theorien,  besonders
der  über  die  Bodenrente,  bis  die  Untersuchung  der  Ideen  Ricabdo’s
uns  Gelegenheit  gibt,  darauf  einzugehen  (S.  153  ff.).
Das  Bevölkerungsgesetz.
Zwanzig  Jahre  waren  seit  dem  Erscheinen  des  unvergänglichen
Werkes  A.  Smith’s  verflossen,  ohne  daß  die  Nationalökonomie  einen
Schritt  weiter  getan  hätte,  als  ein  kleines  anonymes  Buch  erschien,  das

1 )  Robert  Malthus  ist  im  Jahre  1766  geboren.  Sein  Vater  war  ein  hochgebildeter
Landedelmann,  der  in  Berührung  mit  den  Philosophen  seiner  Zeit,  besonders  mit  Hume
und  anscheinend  sogar  auch  mit  J.-J.  Rousseau,  stand.  Er  ließ  seinem  Sohne  eine  ausgezeichnete ­
  Erziehung  zuteil  werden  und  bestimmte  ihn,  da  er  der  Jüngere  war,  wie
üblich,  für  die  Theologie.  So  übernahm  Robert  Malthus  nach  dem  Verlassen  der
Universität  Cambridge  eine  Pfarrstelle  auf  dem  Lande.  1807  jedoch  wurde  er  zum
Professor  an  einer  von  der  Ostindischen  Kompagnie  in  Haileybury  (Herfordshire)  gegründeten ­
  höheren  Unterrichtsanstalt  ernannt,  wo  er  bis  zu  seinem  Tode  1836  blieb.
Er  hat  sich  erst  ziemlich  spät,  mit  39  Jahren  verheiratet.  Von  seinen  4  Kindern,
3  Söhnen  und  1  Tochter,  hat  keins  einen  Namen  hinterlassen.  Obgleich  das  Privatangelegenheiten ­
  sind,  so  haben  sie  doch  ein  gewisses  Interesse,  da  es  sich  um  Malthus
handelt.
Malthus  war  noch  junger  Geistlicher  in  seinem  kleinen  Pfarrdorf  —  und  unverheiratet, ­
  damals  32  Jahre  alt,  —  als  er  im  Jahre  1798  anonym  sein  berühmtes
„Essay  on  the  principle  of  population  as  it  affects  the  future  improvement
  of  society“  herausgab.  Es  rief  zahlreiche  Kritiken  hervor.  Zum  besseren
Studium  seines  Gegenstandes  unternahm  er  eine  dreijährige  Reise  (1799—1802)  auf
dem  europäischen  Kontinent,  ohne  aber  nach  Frankreich  zu  kommen,  das  damals
kein  besonders  angenehmer  Aufenthalt  für  einen  Engländer  war.  1803  veröffentlichte
er,  diesmal  unter  seinem  Namen,  eine  zweite,  sehr  verbesserte  und  vermehrte  Ausgabe ­
  seiner  Arbeit  mit  dem  etwas  abgeänderten  Titel:  „An  Essay  on  the  principle ­
  of  population,  or  a  view  of  its  past  and  present  effects  on  human
happ  iness“.  Vier  weitere  Ausgaben  erschienen  zu  seinen  Lebzeiten.
Über  diesem  Buche  dürfen  nicht  seine  weiteren  sehr  bemerkenswerten  Werke  vergessen ­
  werden,  auch  wenn  sie  nicht  so  berühmt  werden  sollten;  zunächst:  P  r  i  n  c  i  p  1 e  s
of  Political  Economy  from  the  point  of  view  of  their  practical  application
  (1820)  und  andere,  die  sich  mehr  mit  den  Spezialfragen  befassen,  über  die
Getreidegesetzc  (1814—1815),  über  die  Bodenrente  (1815),  über  die  Armengesetzgebung
(1817)  und  endlich  seine  „Definitions  in  Political  Economy^  (1827).
            
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