Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

Fragen  der  volkswirtschaftlichen  Wissenschaft  zu  lösen.  Was  meint
er  damit?  Er  macht  hierdurch  eine  scharfe  Unterscheidung  zwischen
zwei  im  Allgemeinen  zusammengewirrten  Ideen  —  auf  der  einen  Seite
dem  Reichtum,  der  aus  dem  Überfluß  und  der  Befriedigung  entspringt,
und  dem  Wert,  der  aus  dem  Hindernis  und  der  Anstrengung  erwächst,
und  erklärt,  daß  die  Bodenrente  der  zweiten  Kategorie  und  nicht  der  ersten
zuzurechnen  sei.  Nichtsdestoweniger  können  wir  uns  mit  dieser  Erklärung ­
  nicht  zufrieden  geben.  Denn  es  ist  nicht  recht  zu  verstehen,
daß  eine  rein  negative  Tatsache,  wie  das  Fehlen  fruchtbaren  Landes,
ein  Einkommen  verschaffen  könnte.  Es  würde  besser  sein,  zu  sagen,
daß,  wenn  die  Seltenheit  des  benutzbaren  Bodens  die  Bedingung  des
Auftretens  dfepitente  ist,  sie  doch  noch  nicht  ihre  Ursache  ist.  Die  Ursache ­
  ist  die  Preiserhöhung  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse,  die
selbst  wieder  bedingt  ist  durch  die  größere  Arbeit  und  Mühe 1 ),  die  die
Bewirtschaftung  weniger  fruchtbaren  Landes  mit  sich  bringt.  Was  daher
endgültig  die  Rente  eines  Stückes  Getreidebodens  hervorbringt  und  der
Höhe  nach  bestimmt,  das  ist  die  notwendige  Arbeit,  die  zur  Erzeugung
des  Getreides  auf  demjenigen  Boden  schlechtester  Qualität  erforderlich
ist,  der  noch  im  Anbau  ist  (dem  „Grenzboden“) 2 ).
Nehmen  wir  an,  wie  Ricardo  so  gern  schreibt,  daß  auf  Boden  erster
Klasse  die  Erzeugung  eines  Hektoliters  Getreide  10  Arbeitsstunden  kostet,
und  daß  der  Preis  des  Hektoliters  Getreide  10  Fr.  sei.  Um  eine  Bevölkerung, ­
  die  gemäß  den  Gesetzen  Malthus’  wächst,  zu  ernähren,  muß  man
nun  Ländereien  zweiter  Klasse  zu  bewirtschaften  anfangen,  wo  das  Hektoliter ­
  Getreide  15  Arbeitsstunden  erfordert.  Sogleich  wird  der  Wert  des
Getreides  im  gleichen  Verhältnis  steigen  und  sich  auf  15  Fr.  erhöhen,
wodurch  die  Besitzer  des  Landes  erster  Klasse  einen  Mehrwert,  einen
Bonus,  von  5  Fr.  erhalten.  Hiermit  tritt  die  Bodenrente  erstmalig  in
Erscheinung.  Mit  der  Zeit  werden  Felder  dritter  Klasse  in  Bewirtschaftung
genommen,  auf  denen  ein  Hektoliter  Getreide  eine  Arbeitszeit  von
20  Stunden  benötigt.  Sofort  steigt  der  Getreidepreis  auf  20  Fr.  Die
Besitzer  der  ersten  Klasse  finden  nun  ihren  Bonus,  ihre  Bodenrente,  um
eine  Stufe  erhöht,  nämlich  von  5  Fr.  auf  10  Fr.  für  den  Hektoliter,  und  die
Besitzer  des  Bodens  zweiter  Klasse  erhalten  ihrerseits  einen  Bonus  von
5  Fr.  für  den  Hektoliter.  So  entsteht  unterhalb  der  ersten  Klasse  eine
neue  Klasse  von  bescheideneren  Rentenbeziehern.  Mit  dem  Tas:e,  an  dem
man  gezwungen  sein  wird,  Boden  vierter  Kategorie  in  Bearbeitung  zu

0  Heute  würden  wir  einfach  sagen:  „bedingt  durch  die  Steigerung  der  Nachfrage“, ­
  was  aber  ganz  gegen  die  Lehre  Ricardo’s  geht,  für  den  nicht  die  Nachfrage,
sondern  die  Arbeit  den  Wert  schafft.
2 )  „Der  Wert  des  Getreides  wird  von  der  zu  seiner  Erzeugung  auf  den  Feldern
schlechtester  Qualität  aufgewendeten  Arbeit  bestimmt.“
            
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