Kapitel III. Die Pessimisten.
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Was kann man aber gegen das Gesetz Ricardo’s einwenden? Es
scheint selbstverständlich zu sein, ein unbestreitbarer Truismus. Wenn
ein Kuchen zwischen zwei Personen geteilt wird, so ist es klar, daß, je
mehr der Eine nimmt, um so weniger dem Anderen bleibt. — Man kann
und man muß sogar annehmen, wird gesagt, daß die zu verteilende Menge
stetig wächst, so daß auch der Anteil jedes Teilempfängers größer wird. —
Darum handelt es sich aber gar nicht 1 ). Wenn der Kuchen auch zehnoder
hundertmal so groß ist, die Tatsache bleibt doch bestehen, daß, wenn
der eine mehr als die Hälfte nimmt, der andere eben weniger als die Hälfte
erhält. Das ist aber alles, was das Gesetz Ricardo’s besagt: es handelt
sich nicht um Quantitäten, sondern um Proportionen.
Da man daher zugeben muß, daß der Verhältnisanteil des einen der
beiden Faktoren nur dann größer werden kann, wenn der des anderen
kleiner wird, so entsteht die Frage, ob auf dieser Wage die Arbeit oder
das Kapital schwerer wiegt? Anscheinend soll es die Arbeit sein, denn
Ricardo stellt als allgemein gültiges Gesetz die Tendenz des Profits
auf, sich zu senken. Diese These sollte ebenfalls noch lange in der
beschichte der Doktrinen nachwirken. Welchen Grund führt er nun
hierfür an? -Die natürliche Tendenz des Profits ist, geringer zu werden,
weil mit dem Fortschritt der Gesellschaft und des Wohlstandes die Vermehrung
der notwendigen Lebensmittel eine ständig wachsende Arbeitsmenge
erfordert.“ Es ist also die gleiche Ursache, die auch die Bodenrente
bestimmt. Das System ist, wie man sieht, festgefügt.
Wie beeinflußt aber diese Notwendigkeit, auf immer undankbarere
Felder zurückgreifen zu müssen, die Höhe des Profits? Weil, wie vir
gesehen haben, der Anteil, der dem Arbeitenden zu seiner Lebenshaltung
überlassen werden muß, der notwendige Lohn, infolge der Erhöhung der
Getreidepreise stetig steigt 2 ). Der Fabrikant kann aber die Lohnerhöhung
Nicht auf den Verbraucher abwälzen, denn die Höhe des Lohnes bleibt
°hne Einfluß auf den Preis (die Arbeit wohl, aber nicht der Lohn!), und
folglich wird der Anteil des Kapitalisten um ebensoviel verringert. Erinnern
wir uns daran, daß die Lohnerhöhung in Wirklichkeit kein Gewinn
nr den Arbeiter ist, da er deshalb keinen Bissen Brot mehr essen kann,
was aber nicht verhindert, daß der Verlust für den Kapitalisten groß bleibt.
b Übrigens bestreitet das Ricardo nicht. Er weist besonders darauf hin, daß
®'ch sem Gedankengang auf die Hypothese, nach der der erzeugte Wert derselbe bleibt,
^ ^ut: „In der Annahme“, sagt er, „daß das Getreide und die Manukturerzeugnisse
stets zum gleichen Preise verkauft werden, steigt
1 ®r fällt der Profit mit dem Falle oder Steigen der Löhne (S. 84).
t b Aber, wird man einwerfen, nur der nominelle Geldlohn, nicht der wirkliche
ü«hn steigt. Wird der Arbeiter mehr Getreide erhalten? - Nein aber er wird ebenerhalten,
obgleich infolge der Inangriffnahme der Bewirtschaftung schlechteren
der Getreideertrag sinkt. Ob daher der Pächter den Arbeiter in Getreide oder
n Geld bezahlt, bleibt sich für ihn, und den Kapitalisten im Allgemeinen, gleich.