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Erstes Buch. Die Begründer.
Bodenrente steigt, oder fällt, denn sein Geldlohn steigt und fällt im gleichen
Verhältnis und sein Reallohn bleibt derselbe. Umgekehrt ist es dem Grundbesitzer
gleichgültig, ob der Lohn steigt oder fällt. Er erhält weder mehr
noch weniger. Seine Rente wird von derjenigen Arbeitsmenge bestimmt,
die auf dem schlechtesten Boden nötig ist, aber diese Arbeitsmenge hat
mit dem Lohn nichts zu tun. Beide sind heterogene Größen, Größen verschiedener
Ordnung 1 ).
Zwischen Lohnempfänger und Kapitalist jedoch erhebt sich der
Kampf. Sobald der Getreidewert durch die Produktionskosten auf dem
ungünstigsten Boden bestimmt ist, reißt der Grundbesitzer alles an sich,
was dieses Niveau übersteigt und sagt zum Kapitalisten und zum Arbeiter:
„Macht die Sache nun untereinander aus.“ Dasselbe sagt auch Ricardo:
„Der Anteil des einen kann nur in dem Maß größer werden, wie der des
anderen kleiner wird: der Lohn kann nur auf Kosten des Profits steigen
und umgekehrt“ 2 ). Eine erschreckende Voraussage, deren Richtigkeit
uns die ganze Geschichte der bisherigen Arbeiterbewegung, und heute
mehr als je, vor Augen zu führen bestimmt war.
Die Behauptung dieses unvermeidlichen Antagonismus zwischen den
Interessen des Kapitalisten und denen des Arbeiters versetzte die Volkswirtschaftler
in Empörung und Bestürzung, die sich im Gegenteil mit
dem Nachweis abmühten, daß Kapital und Arbeit solidarisch, fast Brüder
seien. Daher sehen wir späterhin, wie Bastiat zu beweisen sucht, daß
in der Entwicklung des Wirtschaftslebens sowohl der Anteil des Kapitals
wie der der Arbeit größer wird, und zwar der letztere im höheren Maße,
als der erste.
J ) Es ist das eine grundlegende Unterscheidung in der Lehre Ricardo’s, auf
deren Bedeutung er öfters hinweist. Die größere oder geringere Arbeitsmenge, die
auf die Getreideproduktion verwendet wird, steht in keinem notwendigen Zusammenhang
mit dem Lohn des Arbeiters. Das Eine ist eine Produktionsfrage, das Andere
eine Verteilungsfrage. Das Eine ist ein Hindernis, das Andere die Belohnung. Jedoch,
kann man einwenden, bestimmt in der Theorie Ricardo’s nicht die Arbeitsmenge den
Wert des Produktes, und wird nicht dieser Wert später zwischen dem Kapitalisten
und dem Arbeiter geteilt ? Je größer die Arbeitsmenge ist, um so größer wird doch dann
auch der Anteil des Arbeiters sein? — Pür die Arbeit trifft das zu, aber nicht für den
Arbeitenden, denn man darf nicht vergessen, daß, wenn das Getreide von 10 auf
20 steigt, das gerade daher kommt, weil auf den geringsten Feldern die doppelte Anzahl
Arbeiter zur Erzeugung der gleichen Menge Getreide nötig ist. Es würdo übrigens
recht eigentümlich sein, wenn der Arbeiter um so mehr erhielte, je undankbarer die
Arbeit istl Alles, was man hoffen darf, ist, daß der Lohn genügend steigen wird, um
dem Arbeiter zu gestatten, unter den neuen Bedingungen zu leben, d. h. dieselbe Menge
Brot zu essen, taytudwn der Preis des Getreides gestiegen ist.
2 ) „Vom Anfang bis zum Ende habe ich in diesem Werke zu beweisen versucht,
daß der Profitsatz nur im Verhältnis zum Fallen des Lohnes steigen kann.“
Über die Ungenauigkeit des Ausdruckes Steigerung des Profits als gleichbedeutend
mit Erhöhung des proportionalen Anteils des Kapitals am Produkt
verweisen wir auf die Anmerkung der S. 177.