276 Neuntes Buch. Viertes Kapitel
alze kleine, empörte sich gegen seinen politischen Berater; im
Sommer 1229 hat er den Herzog beseitigt.
Seitdem begann eine weitere, dritte Phase des Reichs
regiments: die Ministerialität und die freien Herren, bisher an
zweiter Stelle, treten nunmehr die Herrschaft an gegen die
Fürsten, unter gewissen Sympathieen, wie es scheint, der großen
bischöflichen Städte. Es war eine in sich völlig haltlose Kom—
bination. Die Ministerialen waren nicht mehr die gewaltigen
Krieger und Großbeamten der Zeiten Friedrichs J., Heinrichs VI.
und noch König Philipps und Kaiser Ottos; längst war Italien
mit seinem neuen absolutistischen Beamtentum ihrem Ge—
ichtskreis entschwunden; sie saßen fest auf deutschem Boden, sich
geistig wie gesellschaftlich dem engen Horizonte des niedern Adels
annähernd; ihre Interessen wurden partikular, ihre Thatkraft
erschlaffte. Wie hätte Heinrich mit ihnen gegen die gewaltig
emporstrebende Macht der Fürsten regieren können!
Der Kaiser, der nunmehr schon neun Jahre in Italien
weilte, erkannte die Lage klar genug, um sich trotz Heinrich
weiterhin auf die Fürsten zu stützen. Deutsche Fürsten haben
ihm den Frieden von San Germano (1280) mit dem Papste
vermittelt; vom Fürstentum allein erwartete Friedrich mili—
tärischen Zuzug in den Kämpfen, die seiner in Italien warteten.
Diese verschiedenartige Haltung des Kaisers und König
Heinrichs gegenüber den deutschen Zuständen mußte schließlich
einen Konflikt beider veranlassen: und es war von vornherein
klar, daß dieser mit der völligen Niederlage Heinrichs enden
würde. Seine Entwickelung im einzelnen aber hat zu
Konzessionen an die Laienfürsten geführt, deren Tragweite noch
weit über die des Privilegs für die Pfaffenfürsten vom Jahre
1220 hinausging.
Als nämlich König Heinrich inne ward, daß sein Vater,
von den Fürsten unterstützt, ihn leicht überwältigen werde, suchte
er diese im Januar und Mai 1231 durch eine Fülle von Zu—
geständnissen zu sich herüberzuziehen, deren Kosten das Reich
und die städtische Entwickelung zu tragen hatten. Der König
derpflichtete sich, im Reiche keine Städte zum Nachteil der