Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

zu  verwirklichen.  Erst  Auguste  Comte,  sein  Schüler,  sollte  späterhin
versuchen,  den  Gedanken  in  seinem  „Cours  de  Philosophie  positive“
und  in  seiner  „Politique  positive“  zu  verwirklichen.  Daher  ist  Saint-Simon
  nicht  nur  als  der  Vater  des  Sozialismus,  sondern  auch  als  der  des
Positivismus  zu  betrachten.
Von  1814  bis  zu  seinem  Ende  verzichtete  er  teilweise  auf  seine  philosophischen ­
  Arbeiten,  um  sich  fast  ausschließlich  der  Darlegung  seiner
sozialen  und  politischen  Gedanken  zu  widmen,  die  uns  hier  allein
interessieren.
Diese  Gedanken  lassen  sich  alle  in  einer  Verherrlichung  der  Rolle
der  Industrie  zusammenfassen,  wenn  dieses  Wort  in  seinem  weitesten
Sinne  genommen  wird,  fast  in  dem  Sinne,  in  dem  es  Adam  Smith  gebraucht ­
  hatte,  nämlich  als  synonym  mit  Arbeit.
Saint-Simon  hat  diese  Gedanken  selbst  in  einigen  eindrucksvollen
Seiten  zusammengefaßt,  denen  man  seitdem  den  Namen  „die  Parabel
Saint-Simon’s“  gegeben  hat.
„Nehmen  wir  an,“  sagt  er,  „daß  Frankreich  plötzlich  seine  50  ersten
Ärzte,  seine  50  ersten  Chemiker,  seine  50  ersten  Physiologen,  seine  50
ersten  Bankiers,  seine  200  ersten  Kaufleute,  seine  600  ersten  Landwirte,
seine  50  ersten  Hüttenbesitzer  usw„  usw.  (er  führt  so  alle  hauptsächlichsten ­
  Professionen  auf,)  verliere.  Da  diese  Männer  die  Hauptproduzenten ­
  Frankreichs  sind  und  die  bedeutendsten  Produkte  hervorbringen  ..  •>
so  würde  die  Nation  mit  dem  Augenblick,  in  dem  sie  sie  verliert,  ein
Körper  ohne  Seele  werden;  sie  würde  sofort  in  einen  Zustand  der  Inferiorität ­
  den  Nationen  gegenüber  versinken,  deren  Konkurrentin  sie
heute  ist,  und  sie  würde,  solange  sie  diesen  Verlust  nicht  wieder  eingebracht
hat,  solange  ihr  kein  neues  Haupt  gewachsen  ist,  in  dieser  Hinsicht  in
einer  untergeordneten  Stellung  verbleiben  müssen“  .  .  .  „Gehen  wir
jetzt  zu  einer  anderen  Voraussetzung  über.  Nehmen  wir  an,  daß  Frankreich ­
  all  die  genialen  Menschen  behält,  die  es  in  den  Wissenschaften,
in  den  schönen  Künsten,  im  Handel  und  Gewerbe  besitzt,  daß  es  aber
das  Unglück  habe,  am  gleichen  Tage  zu  verlieren:  Monsieur,  den  Bruder
des  Königs,  Mgr.  den  Herzog  von  Angouleme  (Saint-Simon  führt  hier
alle  Mitglieder  der  königlichen  Familie  auf),  und  daß  es  zur  gleichen  Zeit
alle  Groß-Offiziere  der  Krone,  alle  Staatsminister  mit  und  ohne  Portefeuille, ­
  alle  Staatsräte,  alle  Zeremonienmeister,  alle  Marschälle,  alle
Kardinale,  Erzbischöfe,  Bischöfe,  Großvikare  und  Pröbste,  alle  Präfekten
und  Unterpräfekten,  alle  Angestellten  der  Ministerien,  alle  Richter  und
darüber  hinaus  noch  zehntausend  der  reichsten  Grundbesitzer,  die  gut
leben,  verliere,  so  würde  dieser  Unglücksfall  sicherlich  die  Franzosen
betrüben,  weil  sie  ein  gutes  Herz  haben,  .  .  .  aber  dieser  Verlust  von
dreißigtausend  Individuen,  von  denen  man  annimmt,  daß  sie  für  den
Staat  von  der  größten  Bedeutung  sind,  würde  nur  von  diesem  sentimen-
            
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