Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Simon“ 1 ),  „scheint  es,  daß,  was  für  Umwälzungen  auch  in  den  Gemeinwesen ­
  auf  treten  mögen,  das  Eigentum  davon  stets  unberührt  bleiben
muß;  daß  das  Eigentum  eine  unabänderliche  Tatsache  bleibt.“  —  Nichts
ist  aber  in  Wirklichkeit  falscher:  „Das  Eigentum  ist  eine  soziale
Tatsache,  die  wie  alle  anderen  sozialen  Tatsachen  dem
Gesetz  des  Fortschritts  unterworfen  ist.  Es  kann  daher  in
verschiedenen  Epochen  verschieden  verstanden,  definiert
und  gesetzlich  geordnet  werden“ 2 ).  Damit  ist  schon  im  voraus  der
Grundsatz,  auf  den  sich  nach  ihnen  alle  Reformatoren  stützen  sollten,
formuliert  worden.  Der  belgische  Nationalökonom  de  Laveleye,  der
von  allen  Volkswirtschaftlern  diese  Fragen  am  gründlichsten  wissenschaftlich ­
  untersucht  hat,  drückt  sich  40  Jahre  später  in  seinem
Werk  über  die  Urformen  des  Eigentums  in  fast  den  gleichen  Ausdrücken ­
  aus 3 ).
Und  wenn  wir,  fügen  die  Saint-Simonisten  hinzu,  die  Entwicklung ­
  in  der  Vergangenheit  betrachten,  so  konstatieren  wir  gerade,  daß
sie  bestrebt  ist,  sich  in  dem  Sinn,  den  wir  vorschlagen,  zu  organisieren.
Am  Anfang  schließt  das  Eigentum  sogar  die  Menschen  auf  Grund  der
Sklaverei  ein.  Nach  und  nach  wird  das  Recht  des  Herren  an  den  Sklaven
Beschränkungen  unterworfen.  Zum  Schluß  verschwindet  es  vollständig-Was
  die  Sachgüter  anlangt,  auf  die  das  Eigentum  nunmehr  beschränkt
ist,  so  verfügt  der  Besitzer  zunächst  nach  seinem  Belieben  darüber.  Dann
mischt  sich  die  öffentliche  Macht  ein  und  zwingt  den  Vater  dazu,  den
ältesten  Sohn  zu  seinem  Erben  zu  machen.  Zum  Schluß  verordnet  die
französische  Revolution  eine  gleichmäßige  Erbschaftsteilung  zwischen
den  Kindern  und  vermehrt  so  diejenigen,  die  von  den  Produktionsmitteln
profitieren.  Heute  verringert  der  sinkende  Zinsfuß  allmählich  den  Vorteil ­
  des  Eigentümers  an  dem  Produktionsmittel  und  sichert  so  dem  Arbeiter ­
  einen  immer  größeren  Anteil  am  Produkt 4 ).  Ein  letzter  Schritt
bleibt  noch  zu  tun  übrig,  und  gerade  ihn  kündigen  die  Saint-Simonisten  an:
allen  Arbeitern  ein  gleiches  Recht  am  Gebrauch  der  Produktionsmitteln
zu  sichern,  und  dadurch  jeden  Menschen  zum  Eigentümer  zu  machen,
4 )  Doctrine,  S.  179.
s )  Ebenda,  S.  179.
3 )  „Ein  anderer,  ebenfalls  recht  verbreiteter  Fehler  ist,  daß  man  vom  Eigentum
spricht,  als  ob  es  eine  Einrichtung  wäre,  die  eine  feste  und  stets  gleich  gebliebene  Form
habe,  während  es  doch  in  Wirklichkeit  die  verschiedensten  Formen  angenommen  hat
und  auch  heute  noch  einschneidender  und  unvorhergesehener  Veränderungen  fähig
ist“  (Laveleye,  De  la  propri6t6  et  de  ses  formes  primitives,  1.  Ausg.  18‘ 4,
S.  381).  —  In  einem  Brief  vom  17.  Nov.  1872  beglückwünscht  Stuart  Mill  Laveleye
gerade  zu  diesem  Nachweis  (Ebenda,  Vorwort,  XIII).
4 )  Dieses  Argument  ist  besonders  bemerkenswert,  da  es  seitdem  von  den  liberalen
Volkswirtschaftlern  sehr  oft  wieder  aufgenommen  ist.  Auch  werden  wir  es  bei  Bastia
wiederfinden.  Die  Saint-Simonisten  sitzen  beständig  auf  beiden  Stühlen,  dem  Eib e
ralismus  und  dem  Sozialismus.
            
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